Moodle: Am Anfang steht der leere Kurs

2. Moodle in Lehre und Unterricht

2. Moodle in Lehre und Unterricht

Moodle ist ein weltweit für den Unterricht eingesetztes CMS, ein Course Management System zur Kursverwaltung, das als Open-Source-Lösung zur Verfügung steht. Man kann Moodle auch als LMS, als Learning Management System, also Lernplattform, oder als VLE, als Virtual Learning Environment, also virtuelle Lernumgebung, bezeichnen. (Vgl. http://moodle.org/about/) Hinter der Bezeichnung Moodle verstecken sich mehrere Bedeutungen:

The word Moodle was originally an acronym for Modular Object-Oriented Dynamic Learning Environment, which is mostly useful to programmers and education theorists. It’s also a verb that describes the process of lazily meandering through something, doing things as it occurs to you to do them, an enjoyable tinkering that often leads to insight and creativity. As such it applies both to the way Moodle was developed, and to the way a student or teacher might approach studying or teaching an online course. Anyone who uses Moodle is a Moodler. [H.d.d.A.] (http://docs.moodle.org/21/en/About_Moodle)

Moodle ist modular, dynamisch und erlaubt kollaboratives, kommunikatives und kreatives Arbeiten im Sinne eines konstruktivistischen Lehr- und Lernmodells. Als derart konzipiertes Werkzeug hat Moodle den Vorteil, dass die spezifischen auf der Lernplattform angebotenen Arbeitsmaterialien, Aktivitäten und Blöcke einzeln und unabhängig voneinander eingesetzt werden können.

Tipp
Weniger ist oft mehr: Setzen Sie Aktivitäten und Arbeitsblätter gezielt ein!

Die einzelnen Moodle-Kurse zeichnen sich durch einen analogen Aufbau aus, der sich aus drei groben Teilbereichen zusammensetzt: dem Kopfteil, der den Titel des Kurses und einen Navigationspfad bereithält, den Seitenteilen links und rechts, auf denen sich die Blöcke befinden, und dem Mittelteil, der mit Texten, Arbeitsmaterialien und Aktivitäten gefüllt werden kann.

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Die Bereiche sind vorab angelegt und können von Ihnen mit Inhalten befüllt werden, müssen aber nicht zur Gänze in all ihren Möglichkeiten ausgenützt werden. Nicht jede Aktivität und jeder Block, nicht jedes Arbeitsmaterial eignet sich für jeden Kurs in gleicher Weise. Und manchmal gilt einfach festzuhalten: Weniger ist mehr. Gerade am Anfang sollten eher jene Bereiche und Teile verwendet werden, mit denen man vertraut ist, die einem zusagen, bei deren Einsatz man sich wohl fühlt.

Die von Moodle angebotenen Aktivitäten, verteilbaren Arbeitsmaterialien sowie die einsetzbaren Blöcke repräsentieren vor allem die Bereiche der eher statischen, wenngleich multimedialen Datenbereitstellung, sowie die dynamischen Bereiche der Kommunikation, Kollaboration, Evaluation und Organisation in einem besonderen Maße, worin sicherlich einer der Vorteile von Moodle liegt.

Moodle erlaubt nicht nur das Verwalten und Bereitstellen von Dokumenten, es kann viel mehr:

Moodle

… erlaubt sowohl instruktivistische als auch konstruktivistische Lehr- und Lernszenarien durch die Möglichkeit, statische Materialien und dynamische Aktivitäten gleichzeitig anzubieten.

… bietet verschiedene Werkzeuge zur synchronen (Chat, Erweiterungen zur Integration von Audio-/Videokonferenzen) und asynchronen Kommunikation (Forum, E-Mail, Blog…).

... erlaubt das Schlüpfen in verschiedene Rollen – besonders teacher und student –, wodurch sich didaktische Räume in Form von Rollenspielen oder des Verteilens von Funktionen an die Lerngruppe, beispielsweise eines Diskussionsleiters bzw. einer Diskussionsleiterin, öffnen.

… schafft Ordnung: Mit Moodle finden Lernende und Lehrende alles an einem Ort zentral verwaltet. Lehrende können den Kurs zu Beginn mit allen relevanten Informationen und Aktivitäten befüllen und diese der Reihe nach sichtbar schalten; Studierende finden alles unter einer Adresse und können dort Kontakt mit ihren Kolleginnen und Kollegen aufnehmen. Dokumente und Aufgaben werden nicht mehr via E-Mail ausgesandt und/oder auf ein CMS (ein Content Management System wie beispielsweise eine Homepage) gestellt, sondern finden sich alle versammelt im jeweiligen Kurs.

… ist Cross-Plattform-kompatibel: Egal ob die Anwender/innen Apple, Linux oder Windows verwenden, mit Moodle vertragen sich alle Betriebssysteme und beinahe alle Webbrowser (Internet Explorer, Google Chrome, Mozilla Firefox, Safari…).

… hat eine vordefinierte Struktur, die aber auch individuelle Gestaltung erlaubt: Die jeweiligen Moodle-Kurse sehen in ihrer Grundstruktur gleich aus, können aber mit Hilfe des integrierten Texteditors, beispielsweise durch das Hinzufügen von Bildern oder das Verändern der Schriftarten und -größen, problemlos individuell angepasst werden.

… ist flexibel und kann somit in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden. Moodle kann nicht nur als klassische Lernplattform fungieren, sondern auch zur Abwicklung von Projekten verwendet werden. Es ist überall dort einsetzbar, wo Kommunikation und Kollaboration im Vordergrund stehen.

… ist modular aufgebaut, erlaubt somit das modulare Arbeiten. Moodle kann nicht nur für einen gesamten Semesterkurs, sondern auch für einzelne Module oder Abschnitte, einzelne Lerneinheiten oder Lernphasen einer Lehrveranstaltung eingesetzt werden. Moodle kann einen Kurs das gesamte Semester begleiten oder nur punktuell eingesetzt werden.

… ist intuitiv zu benutzen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die einzelnen Aktivitäten und Arbeitsschritte, beispielsweise beim Bereitstellen verschiedener Dokumente, immer die gleichen sind. Die Anwender/innen werden von Moodle quasi durch Erklärungen und Erläuterungen immer bei der Hand genommen. Auf der Seite der Moodle Docs finden sich detaillierte Beschreibungen der einzelnen Aktivitäten und Blöcke, also der verschiedenen Elemente von Moodle. Die Seite ist auf Deutsch, Englisch und in zahlreichen anderen Sprachen verfügbar und kann von allen Userinnen und Usern selbst mitgestaltet werden.

… ist dynamisch und verbessert sich strukturell immer weiter. Moodle wird zwar in einem Standardpackage ausgeliefert, kann aber an die eigenen Bedürfnisse bzw. die Bedürfnisse der eigenen Institution angepasst werden. Auf der Seite http://moodle.org/downloads/ finden sich verschiedene Downloadbereiche, die das System individuell anpassbar machen. So können Sprachpakete oder zusätzliche Aktivitäten, Blöcke oder Frage- und Aufgabentypen zum Standardsystem hinzugefügt werden.

Achtung
Nicht alle dort zur Verfügung gestellten und diskutierten Erweiterungen sind stabil, sicher und voll funktionstauglich. Sprechen Sie sich also unbedingt mit jener Person ab, die an Ihrer Institution die Moodle-Administratorinnen- und -Administratorenrechte besitzt. Er oder sie soll entscheiden, ob die Installation Sinn macht, oder ob es vielleicht besser wäre, mit der Installation zu warten, bis die Erweiterung fehlerfrei funktioniert, stabil und vor allem sicher ist.

... sammelt alles an einem zentralen Ort. Egal, ob Dokumente, Linksammlungen, Organisatorisches, Kommunikationsmedien oder Aktivitäten zur Kollaboration: Alles findet sich an einer zentralen Stelle und muss nicht mehr in E-Mails, auf Homepages oder in Fächern gesucht werden.

Tipp
Sie sind kein Fan von überfüllten E-Mail-Ordnern? Stellen Sie Moodle so ein, dass Ihnen einmal am Tag ein E-Mail mit allen Forenbeiträgen geschickt wird – statt automatisch nach Absenden jedes einzelnen Beitrags.

… ist kundinnen- und kundenorientiert. Neben den bereits genannten Moodle Docs gibt es zu beinahe allen Bereichen Foren, an denen mitgearbeitet werden kann, in denen man Fragen stellen oder sich über Fehlfunktionen beschweren kann. Eine Übersicht findet sich auf der folgenden Seite: http://moodle.org/forums/. Der eine oder die andere Moodlianer/in kann sicher weiterhelfen. Jede/r kann so aktiv zur Lösung des Problems beitragen, das anderen bislang vielleicht noch nicht aufgefallen ist.

… ermöglicht das Feedbackgeben auf mehreren Ebenen. Während in der Präsenzlehre Feedback zeitnah und direkt gegeben wird und das Fehlen spontaner Reaktionen oftmals zu Irrtümern und Missverständnissen führt, fehlt diese persönliche Ebene auf einer Lernplattform. Viele Lernplattformen sehen Feedback nur in reduziertem Maße vor – beispielsweise durch das Antworten auf Foren- oder Glossarbeiträge. Moodle ist hier anders und kann mehr: Es ist möglich, für Tests vorgefertigte Feedbacks zu formulieren, die automatisch an die Lernenden gegeben werden. Jede einzelne Antwort eines Multiple-Choice-Tests kann so mit einem spezifischen Feedback versehen, Hilfestellungen und weiterführende Informationen in das Feedback verpackt werden. Lehrende können beispielsweise der Lerngruppe Hinweise darauf geben, wo sie, wenn sie eine Frage falsch beantwortet hat, die richtige Antwort nachlesen kann oder, wenn die Lernenden eine Frage richtig beantwortet haben, weitere Informationen und Literaturhinweise geben. Das ist zwar in der Erstellung recht zeitintensiv, doch lässt sich der Fragenpool ja ständig erweitern und adaptieren. Man muss nicht alle Feedbackfelder von Anfang an befüllen! Das kann im Laufe der Jahre erledigt werden.

Tipp
Lesen Sie dazu mehr in der Beschreibung der Aktivität Test.

Und auch die Aktivität Aufgabe ermöglicht es, Feedback zu geben, indem die abgegebenen Arbeiten mit einem persönlichen, in diesem Fall nicht automatisch generierten, Feedback kommentiert werden können.

Tipp
Firefox erlaubt Copy & Paste via rechte Maustaste nicht… Die Tastenkombinationen Strg + C bzw. Strg + V funktionieren jedoch einwandfrei! :-)

Und wo ist nun der Haken? Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Moodle von Lehrenden für Lehrende gemacht, also sehr gut an die Bedürfnisse im Lehrbetrieb angepasst ist. Die Plattform wird ständig weiterentwickelt. Genau darin sehen einige Nutzer/innen einen Nachteil: Die Plattform verändert sich und das gewohnte Bild auch, gewohnte Handlungsschritte können darunter leiden, wenn jener Button, der eigentlich links oben situiert gewesen ist, jetzt rechts unten ist. Das kann wirklich ärgerlich sein, ist meist aber nur eine reine Gewöhnungssache. Nach kurzer Zeit wird die Umstellung schon nicht mehr auffallen. Eine zweite Schwäche von Moodle ist sicherlich die Gestaltung des mittleren Bereichs, also des Kursbereichs selbst, in dem sich die Dokumente und Aktivitäten befinden. Sind viele Themen oder Wochen eingestellt, so kann es passieren, dass beim Arbeiten mit Moodle weit nach unten gescrollt werden muss. Hier können angelegte Ordner oder ein alternatives Kursformat helfen. Oder vielleicht ist es in diesem Fall notwendig, das gesamte Kursdesign umzustellen? Das liegt an der Lehrperson!

Tipp
Hierfür ist in der Version Moodle 2.3 eine Verbesserung vorgesehen. Die Plattform wächst und verändert sich, Schwächen werden aufgegriffen und verbessert.

Ein weiteres Argument gegen Moodle – oder allgemein gegen den Einsatz von Lernplattformen in Unterricht und Lehre – ist der Aspekt der vorhandenen Mehrarbeit. Fordert man von den Studierenden auch außerhalb der Kurszeiten Arbeiten, Kollaboration und Kommunikation, dann bedeutet das auch für die Lehrperson einen zusätzlichen Aufwand außerhalb der Kurszeiten: E-Moderation braucht Zeit.

Auch das Erstellen und das Warten eines Moodle-Kurses sind mitunter zeitintensiv. Man muss die Arbeitsblätter gestalten und hochladen, Arbeitsaufträge für die Onlineaktivitäten formulieren und schreiben. Man sollte dabei auf eine ansprechende und einladende Gestaltung des Kurses achten und eventuell noch den Fragenpool mit Fragen füllen, um auch selbstkorrigierende Tests erstellen, um Lernzielkontrollen abhalten zu können. Einen Moodle-Kurs erstmalig zu erstellen, ist wirklich ein schönes Stück (Mehr-)Arbeit. Und vielleicht wird der Kurs von den Studierenden gar nicht so genützt, wie die Lehrperson es sich vorstellt. Ist die ganze Arbeit dann umsonst? Nein, denn einen Moodle-Kurs kann man sichern, importieren und exportieren und somit immer wieder verwenden. Das Gute daran ist, dass man nicht den ganzen Kurs, sondern auch einzelne Teile wiederherstellen kann, dass sich also einzelne Module und Abschnitte in einen neuen Kurs übernehmen lassen, wenn man möchte. Einmal erstellte Fragen können in jeden neuen Kurs importiert werden. Dasselbe gilt für Glossare… Der Knackpunkt daran ist jedoch, dass die Importfunktion (noch) nicht immer ganz fehlerfrei funktioniert - Textfelder und Bilder, Elemente also, die direkt in die Kursabschnitte geschrieben werden, werden in der aktuellen Version nicht mitübernommen. Das ist sicherlich ein großer Nachteil, an dem das Entwickler/innen-Team jedoch bereits arbeitet.

Tipp
Hier gibt es eine einfache Lösung: Kopieren Sie den Text in ein Textdokument, speichern Sie es – auf Moodle oder auf Ihrem Computer, wie Sie wollen – und kopieren Sie es im neuen Semester einfach wieder in den jeweiligen Kursabschnitt.

Im Bereich der Kommunikation ist noch ein weiteres Manko des Systems zu erkennen: Moodle ist sehr schriftlastig und unterstützt, gerade im Sprachunterricht beispielsweise, die mündliche Sprachkompetenz nur bedingt. Chat und Forum sind schriftbasiert, Aufnahmen gesprochener Sprache sind nur über Extra-Plugins bzw. über den Upload von Audiofiles in ein Forum oder eine Datenbank beispielsweise möglich. Im Standardpackage wird keine Möglichkeit mündlicher Kommunikationsformen mitgeliefert, diese müssen separat integriert werden. Dies trifft ebenfalls auf Anwendungen zur Audio- und Videokonferenz zu. Sie müssen erst in die Moodle-Seite eingebunden werden. Und auch das integrierte Nachrichten- oder Mitteilungssystem lässt einiges zu wünschen übrig und ersetzt keinesfalls ein E-Mailprogramm. Die Aktivität und der Block, die eine in Moodle integrierte E-Mailfunktion bieten, müssen von den Administratorinnen und Administratoren separat in Moodle eingespielt werden und funktionieren nicht immer einwandfrei…

Damit der Einsatz von Moodle für die Lehrperson nicht zum Stress wird, gilt auch hier: Setzen Sie die Lernplattform dosiert ein! Ist das Semester allgemein sehr stressig, lässt sich Moodle zur Dateibereitstellung, zentralen Verwaltung und als Ort für das Hochladen von Arbeiten und Aufgaben nutzen.

Tipp
Nutzen Sie Moodle als Zentrale, als Sammelstelle, auf der sich alle notwendigen und wichtigen Materialien und Aufgaben finden. Dann müssen Sie nicht suchen und Ihre Studierenden auch nicht.

Ist jedoch in einem Semester etwas mehr Luft, kann man ruhig etwas Neues ausprobieren. Man kann sich an die E-Moderation eines Forums oder Chats wagen. Es ist möglich, diese Moderationsaufgaben an Studierende abzugeben, die damit nicht nur ihre Medienkompetenz, sondern auch ihre sozial-kommunikative und Methodenkompetenz trainieren und verbessern können.

Tipp
Bleiben Sie dabei als Trainer/in in diesem Fall im Hintergrund und spielen Sie Feuerwehr, falls es irgendwo brennt.

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Exkurs: E-Moderation

Im Zeitalter des E-Learning ändert sich auch die Rolle der Lehrperson nachhaltig. So ist es beispielsweise notwendig, dass die Lehrperson in einigen – vor allem kollaborativen und kommunikativen – Kontexten die Rolle eines Moderators bzw. einer Moderatorin einnimmt. Im virtuellen Bereich spricht man in Anlehnung an Gilly Salmon (2004) von E-Moderatorinnen und E-Moderatoren. Diese brauchen neue Kompetenzen, die sich nicht auf den technischen, sondern den motivational-organisatorischen Bereich konzentrieren: „Successful online learning depends on teachers and trainers acquiring new competencies, on their becoming aware of its potential and on their inspiring the learners, rather than on mastering the technology.“ (Salmon 2004: vii)

Die Aufgabe von E-Moderatorinnen und E-Moderatoren besteht folglich darin, die Lernenden zur Kollaboration und Kommunikation zu animieren, Interaktivität aufrechtzuerhalten sowie die Motivation in schwachen Momenten zu stärken und weniger darin, mit der technischen Seite klarzukommen, denn:

The essential role of the e-moderator is promoting human interaction and communication through the modelling <sic>, conveying and building of knowledge and skills. An e-moderator undertakes this feat through using the mediation of online environments designed for interaction and collaboration (ebd.: 4)

Die Intensität der Arbeit als E-Moderator/in variiert dabei je nach den „purposes, intentions, plans and hopes“ sowie „the motivation, knowledge and skills of the e-moderator“ (ebd.: 52). Sie können Ihr Engagement und die eingesetzte Zeit nach eigenem Ermessen – und gerade im tertiären Bereich je nach Lehrveranstaltungstyp – variieren und auf bereits im Präsenzunterricht eingesetzte Kompetenzen zurückgreifen. Konzentrieren Sie sich dabei auf die Moderatorinnen- und Moderatorenrolle und nehmen Sie sich gerade in unerfahreneren Gruppen inhaltlich zurück – sonst wird aus der gewünschten Konstruktion von Wissen eine Instruktion durch Sie als Lehrperson.

Unterstützen Sie und führen Sie die Gruppe: Um dies erreichen zu können, sind einige Punkte für den Onlineunterricht separat zu bedenken. Dies beginnt bereits in der Planung von Online-Einheiten, für die Gilly Salmon (ebd.: 28-50) fünf verschiedene Stufen vorschlägt. Stufe 1 entspricht Access and motivation, auf Stufe 2 findet die Online socialization statt, auf Stufe 3 kommt es zum Information exchange, Stufe 4 deckt die Knowledge construction ab und auf Stufe 5 kommt es schließlich zum Development. Abbildung 1 zeigt eine graphische Darstellung dieser fünf Stufen in deutscher Übersetzung:

Bild3138.PNG

Abbildung 1: Quelle: http://students.idv.edu/~0356446/salmon.jpg

Dabei ist deutlich zu sehen, dass die einzelnen Stufen aufeinander aufbauen und dass ein Überspringen einzelner Stufen kaum möglich ist, denn schließlich gilt für das Lernen, „that participants learn about the use if computer networking along [H.i.O.] with learning about the topic, and with and through other people“ (ebd.: 28). Die Graphik zeigt auf jeder Stufe jeweils links, welche Aufgaben und Kompetenzen die Teilnehmer/innen zu erfüllen haben, wohingegen rechts steht, welche Aufgaben und Kompetenzen die E-Moderatorinnen und E-Moderatoren erfüllen bzw. aufweisen sollten. Mit dem Erklimmen der Stufenleiter steigert sich gleichzeitig der Grad der Interaktivität, wodurch gleichzeitig der Grad der Instruktion zugunsten der Konstruktion von Wissen zurückgeht. Auf jeder einzelnen Stufe kann individuell verweilt werden:

Given appropriate technical support, e-moderation and a purpose for taking part online, nearly all participants will progress through these stages of use. There will, however, be very different responses to how much time they need at each stage before progressing. The model applies to all online software, nut if experienced participants are introduced to new-to-them software, they will tend to linger for a while at stages one or two, but then move on quite rapidly up the steps. (ebd.: 30)

Planen Sie diese ersten beiden Stufen einfach ein, gewöhnen Sie Ihre Lernenden an die Lernumgebung in Moodle und an Ihre Kurskonzeption. Sie werden sehen, dass Studierende Fortschritte machen. Seien Sie sich aber bewusst, dass – wie das Zitat zeigt – der „purpose for taking part“ vorhanden sein muss. Gerade diese Motivation flacht zwischendurch immer wieder ab. Seien Sie dann zur Stelle und motivieren Sie die Lerngruppe, nehmen Sie sich danach aber wieder zurück. Ein guter E-Moderator bzw. eine gute E-Moderatorin zeichnet sich vor allem dadurch aus, den Lernenden das Gefühl zu geben, da zu sein, ohne wirklich präsent sein zu müssen.

Stufe 1: Zugang und Motivation

Vor dem Kurs sollte eine Vorabinformation erfolgen. Worauf müssen sich die Lernenden einstellen? Was wird sie erwarten? Wo loggen sie sich wie ein? Gibt es bereits vorab Aufgaben zu erfüllen?

Sagen Sie klar, welche ersten Schritte zu unternehmen sind!

Schreiben Sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Ihres Online-Kurses ein E-Mail zum Beispiel in Form einer Willkommensnachricht, in dem Sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur begrüßen, sondern auch den Link für die Anmeldung ausschicken, die Schritte der Anmeldung erklären oder auf Dokumente verweisen, die dies tun. Erinnern Sie die Studierenden noch einmal daran, wie ihre Login-Daten lauten (oder schicken Sie diese aus, sollte sie nicht bereits vorhanden sein) und nennen Sie eine Frist für die Erledigung. Geben Sie dabei an, ob vor dem Start der Einheit Texte zu lesen oder andere Aufgaben zu erledigen sind. Sie werden an den Reaktionen der Studierenden erkennen, ob es technische Probleme gibt, die noch zu klären sind, ob Ihr Arbeitsauftrag klar ist, ob von Ihnen noch vorentlastende Arbeiten zu erledigen sind. Die Teilnehmer/innen werden sehr spezifische Probleme und Anliegen haben. Die Möglichkeit, sich über E-Mail an Sie oder einen Helpdesk wenden zu können, gibt ihnen jene Sicherheit, die sie benötigen, um die erste Hürde nehmen zu können.

Tipp
Haben Sie dieses E-Mail einmal geschrieben, können Sie es natürlich in weiteren Kursen wieder verwenden. Speichern Sie es dafür einfach in einem Textdokument ab und adaptieren Sie es für Folgekurse!

Schreiben Sie in dieses erste E-Mail, welche Soft- und Hardware für den Kurs benötigt wird. Brauchen die Teilnehmer/innen eine Webcam oder ein Mikrophon? Welche Programme oder Anwendungen werden benutzt, bei denen man sich vorab anmelden sollte (z. B. Skype, Twitter, Picasa, Facebook, Blogger…)? Welchen Browser sollen die Teilnehmer/innen benutzen? Bedenken Sie dabei, dass nicht alle Studierenden Windows-User/innen sind. Neben Mac- gibt es auch Linux-Benutzer/innen, auf die Sie in Ihren Anweisungen achten sollten – so banale Dinge wie den Bildschirm zu aktualisieren, kann in einer virtuell geführten Klasse bereits Probleme bereiten. Nutze ich nun cmd + R oder doch die F5-Taste?

Motivieren Sie von Anfang an!

Motivieren Sie Ihre Studierenden, indem Sie die Vorteile der Online-Plattform kurz erklären. Wieso sollen die Lernenden die Plattform konsultieren? Wieso ist E-Learning wichtig bzw. vorteilhaft? Welche Erleichterungen bietet diese Form des Unterrichts bzw. der Lehre? Welche Vorteile bietet ein Moodle-gestützter Unterricht? Für viele Lernende bedeutet die Arbeit mit Moodle, dass Mehrarbeit auf sie zukommt und dass sie von der Technik abhängig sind. Versuchen Sie, diese Vorurteile bzw. auch Ängste vorab abzubauen. Versetzen Sie sich dabei in die Rolle Ihrer Lerngruppe. (Vgl. ebd.: 104f.) Was könnte diese von einer aktiven Teilnahme abhalten? Welche Punkte gehören aus diesem Grund angesprochen? Welche Sicherheiten sollten Sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Sinne eines Backups geben? Geben Sie dabei vielleicht an, was das System nicht kann. (Vgl. Bett/Gaiser 2005: 11) Oder, welche Möglichkeiten des Monitorings Sie haben – dass Sie in Moodle zum Beispiel sehen können, wann sich die Studierenden eingeloggt haben.

Es wäre möglich, am Anfang des Kurses eine Nachricht an alle zu schicken – vielleicht im Forum –, in der das Kursprogramm und die Anforderungen erklärt werden. Diese Nachricht könnten Sie in der Mitte des Kurses, der Halbzeit also, noch einmal ausschicken. Dabei erklären Sie, was bereits passiert ist, was gerade zu tun ist und was in Zukunft noch zu tun sein wird. Und am Ende des Kurses – oder kurz davor, wenn bereits das Ende in Sicht ist – schicken Sie noch ein letztes Motivations-E-Mail aus, in dem Sie die letzten Aufgaben und das bereits Geleistete noch einmal zusammenfassen. Dies kann nicht nur die Motivation heben, es gibt den Lernenden einen Überblick über ihre Fortschritte und hilft so bei der Zeiteinteilung und der Planung. (Vgl. Salmon 2004: 132ff)

Probieren Sie die Medien vorab aus!

Bevor Sie Medien in unterschiedlichen Methoden im E-Learning-Bereich einsetzen, probieren Sie sie aus! Das klingt banal, aber Sie werden sehen, wie wichtig dieses Ausprobieren ist. Ist es Ihnen nicht auch schon passiert, dass der Overheadprojektor just an jenem Tag nicht funktioniert hat, als Sie ihn gebraucht hätten? Oder, dass die angefertigte PowerPoint-Präsentation plötzlich ganz anders ausgesehen hat als noch zuhause? In online geführten Stunden müssen Sie auch auf Fragen technischer Art antworten können – Wo finde ich das? Wie schalte ich das aus? Wie schalte ich das ein? Um den inhaltlichen Faden nicht zu verlieren, gehen Sie selbst in die studentische Rolle und probieren Sie alle Teilfunktionen aus. Sie werden viel Neues entdecken!

Ganz wichtig: Wenn Sie eine synchrone Kommunikationsumgebung, einen Chat oder eine Audio-/Videokonferenz durchführen wollen, dann versuchen Sie, vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern online zu sein.

Stufe 2: Online-Sozialisierung

Auf dieser zweiten Stufe gilt es, „[to] seek a climate of strong enhancement of the well-being of the online group, based on respect and support for each other, rather than corner cutting in the service of instrumental personal goals“ (ebd.: 33). Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre, geben Sie den Lernenden das Gefühl, dass die Onlinegruppe eine Gruppe ist, in der das Arbeitsklima wichtig ist, um kollaborativ und kooperativ die gesteckten Ziele zu erreichen.

Schaffen Sie dafür zunächst eine personalisierte Umgebung: Gerade Moodle bietet hier eine interessante Möglichkeit, sich bereits vorab mit dem System vertraut zu machen – die Aktualisierung des Profils. Für die Studierenden und Lernenden hat dieser Schritt den Vorteil, dass sie sich innerhalb des Systems mit den einzelnen Schritten und der Struktur vertraut machen. Für Sie als Lehrende/n haben die personalisierten Profile den Vorteil, dass Sie keiner anonymen Masse gegenübersitzen, sondern einer personalisierten Gruppe von Lernenden mit individuellen Bildern und Interessen. Und zusätzlich können Ihnen die Bilder dabei helfen, die Namen und Gesichter Ihrer Lerner/innen-Gruppe besser zu merken!

Ähnliches gelingt in einem Forum, in dem sich die Lernenden vorstellen müssen, eventuell auch Erwartungen an den Kurs formulieren und Vorwissen benennen müssen. Dabei können Sie nennen, welches Betriebssystem und welchen Browser (Internet Explorer, Firefox, Safari etc.) sie nutzen und ob sie schon Erfahrungen mit E-Learning oder mit Moodle haben. Dies kann Ihnen helfen, ein Stimmungsbild der Gruppe zu bekommen und den Studierenden Wege zu zeigen, „to understand how online contributes to learning for their topic, this course, this discipline“ [H.i.O.] (ebd.: 33).

Wie persönlich diese Vorstellung ausfallen soll und vor allem, welche Fragen beantwortet werden sollen, liegt in Ihrem Ermessen. Es ist Ihre Aufgabe als E-Moderator/in, die Anforderungen an das Posting im Forum im Sinne eines Arbeitsauftrages zu formulieren. Aber diesen Schritt haben Sie ja in Kapitel 2 bereits erfolgreich absolviert. ;-)

Stellen Sie Regeln auf!

Erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihren Studierenden Verhaltensregeln für die Arbeit im virtuellen Raum. Legen Sie dabei fest, wie oft die Studierenden und Lernenden im Kurs vorbeischauen sollten, um am Laufenden zu bleiben. Geben Sie Tipps zum gendergerechten Formulieren von Beiträgen und Kommentaren. Achten Sie darauf, dass die Kommunikation respektvoll passiert und verschiedene Meinungen und Einstellungen angenommen und nicht von vornherein blockiert werden. Sprechen Sie an, was Sie sich wünschen, was Sie erwarten und was Sie auf keinen Fall tolerieren.

Tipp
Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Regeln es im virtuellen Raum einzuhalten gilt, sind hier einige Ideen und Anregungen: Oder schlagen Sie einfach im folgenden Kapitel nach. Wenn Sie Fremdsprachen unterrichten, formulieren Sie diese Regeln gleich in der Fremdsprache, so können Sie nebenbei gleich Grammatik – wie beispielsweise den Imperativ – wiederholen!

Finden Sie Ersatz für das Fehlen nonverbaler Kommunikation!

Vergessen Sie nicht, dass Online-Kommunikation und -Interaktion durch den „lack of non-verbal and visual clues“ (Salmon 2004: 34) erschwert werden kann. Dieses Fehlen von nonverbalen Kommunikationsmitteln, von Ironie- und Sarkasmusmarkern kann die Kommunikation auf eine harte Probe stellen. Geben Sie den Lernenden und sich selbst deshalb Möglichkeiten, dieses fehlende Element zu überbrücken – denn ersetzen lässt es sich nicht. (Vgl. Bäuml-Westebbe et al. 2011)

Schaffen Sie Raum für (semi)privaten Austausch!

Geben Sie den Studierenden die Möglichkeit, sich auf der Lernplattform auch privat auszutauschen. Sie dürfen nicht unterschätzen, wie wichtig Rauchpausen oder das gemeinsame Stehen beim Kaffeeautomaten nicht nur für die Lernenden und ihr Wohlbefinden, sondern auch für die Gruppenentwicklung und -dynamik ist. Schaffen Sie aus diesem Grund einen Raum, in dem Studierende und Lernende einfach nur tratschen, sich fernab der inhaltlichen Kollaboration privat austauschen können. Dies kann in einem Chat geschehen, oder in einem Forum, das Café oder Studierendenlounge heißen kann. Informationen, die hier ausgetauscht werden, fließen natürlich nicht in die Online-Mitarbeit ein, eine Beteiligung an diesem Forum oder Chat ist somit nicht verpflichtend. Doch schon alleine die Gewissheit, dass es einen derartigen Raum gibt, kann dem Arbeitsklima und der Gruppenentwicklung äußerst dienlich sein, denn dort erkennen die Teilnehmer/innen, dass sie mit ihren Erfahrungen, Problemen und Hindernissen nicht alleine da stehen.

Geben Sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Zeit, sich an den neuen Raum zu gewöhnen!

Nicht alle Teilnehmer/innen werden gleichzeitig mit der Nutzung der Plattform beginnen und nur einige Teilnehmer/innen haben den Mut, die Erfahrung oder die Zeit, sofort nach dem Login damit zu beginnen, sich in den Kurs einzubringen, Postings zu verfassen, kurz: aktiv zu werden. Geben Sie ihnen etwas Zeit:

Some are initially reluctant to commit themselves fully to public participation in conferencing, and should be encouraged to read and enjoy others’ contributions to the conference for a short while, before taking the plunge and posting their own messages. This behavior is sometimes known as ‘lurking’, although the term can cause offence! ‘Browsing’ is perhaps a safer word. (ebd.: 36f.)

Geben Sie diesen zurückhaltenderen Teilnehmenden eine gewisse Eingewöhnungszeit! Doch passen Sie auf, dass diese anfänglich passiven Teilnehmenden langsam in den aktiven Modus wechseln und nicht zu Lurkern werden. Dies können Sie beispielsweise dadurch erreichen, dass Sie auch Feedback zu Kommentaren der anderen einfordern. Manchmal ist es einfacher, zuerst einen Kommentar zu einem vorhandenen Posting zu schreiben, bevor man sein eigenes verfasst.

Stufe 3: Informationsaustausch

Auf dieser Stufe beginnt die inhaltliche Arbeit, der Informationsaustausch. Durch die von Moodle gebotene Möglichkeit, Informationen, in Form von Materialien, Links und Dokumenten, online an einem Ort zentral zur Verfügung zu stellen, können diese von den Studierenden zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort abgerufen werden: Sie verlieren sich beim Suchen von Informationen nicht mehr in der Weite des World Wide Web. Gleichzeitig können sie sich über diese gefundenen Informationen austauschen, können Texte gemeinsam analysieren und besprechen. Die Rolle des E-Moderators bzw. der E-Moderatorin in dieser Phase liegt darin, die Gruppe aktiv zu halten:

Critically, by this stage, ensure that every participant has a role to play and is actively participating. I’m not suggesting you should treat browsers or vicarious learners as criminals, but instead you should continue to both design and e-moderate for active participation and workable online relationships. (ebd.: 38)

Achten Sie auf die Gruppendynamik und identifizieren Sie Lurker, also Mitläufer/innen, die sich nicht aktiv an der Diskussion beteiligen oder deren Beiträge den Anforderungen qualitativ oder quantitativ nicht entsprechen. Sprechen Sie diese in privanten Nachrichten, wie E-Mails oder privaten Kursmitteilungen, direkt darauf an und motivieren Sie sie. So können Sie eine produktive Arbeit der Gruppe gewährleisten.

Geben Sie Tipps in puncto Zeitmanagement

Seien Sie sich bewusst, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, auf die zahlreichen Informationen, die in einem Online-Kurs auf Studierende und Lernende zukommen, zu reagieren und mit diesen umzugehen:

Participants develop a variety of strategies to deal with the potential information overload at this stage. Some do not try to read all messages. Some remove themselves from conferences of little or no interest to them, and save or download others. Others try to read everything and spend considerable time happily online, responding where appropriate. Yet others try to read everything but rarely respond. These participants sometimes become irritated and frustrated. They may even disappear offline. E-moderators need to watch out for each of these strategies and offer appropriate support and direction to the participants. (ebd.: 39)

Geben Sie passiven Studierenden Tipps, auf welche Nachrichten sie sich konzentrieren sollten oder wie sie die Arbeit aufholen können. Geben Sie an, welche Informationen besonders relevant sind, was als Voraussetzung für andere Übungen oder Aufgaben zu erledigen ist, um den Anschluss nicht vollends zu verlieren. Machen Sie Mut durch persönliches Feedback! Vergessen Sie dabei nicht, jene Lernenden, die die Arbeit gut erledigt haben, zu loben, und jene, die auf alles antworten, eventuell auch ein wenig einzubremsen. Das liegt ganz in Ihrem Ermessen. Achten Sie nur darauf, dass Ihnen einige (passive) Teilnehmer/innen nicht verloren gehen und sich andere bereits in der Anfangsphase absolut verausgaben!

Als E-Moderator/in investieren Sie einiges an Zeit in Vorbereitung und Organisation. Notieren Sie die geplante und tatsächlich gebrauchte Zeit vor allem in Ihren ersten E-Moderationsversuchen mit. Sie werden dann einen Überblick darüber bekommen, wie viel Zeit Sie für diese Arbeiten einplanen müssen. Geben Sie Ihrer Lerngruppe einen Überblick, wie viel Zeit pro Übung und Aufgabe sie einplanen sollte und bis wann die Arbeit zu erledigen ist. Diese Zeitangabe kann ein hilfreicher Hinweis für die Lernenden sein und der Orientierung dienen. Bedenken Sie dabei, dass ungeübte User/innen länger brauchen werden als geübte. Und vor allem: Geben Sie an, wann Sie Nachrichten lesen. Lesen Sie Nachrichten auch am Wochenende? Vor 18 Uhr oder danach? Die Lernenden werden sich darauf einstellen und nicht nervös auf eine Antwort warten.

Wenn Sie Nachrichten bekommen, die für alle Teilnehmer/innen relevant sein könnten, fassen Sie diese in ihren zentralen Punkten zusammen und posten Sie diese in ein speziell dafür vorgesehenes Forum. Sie können dieses als FAQ (Frequently Asked Questions), als Wo Fragen ihre Antworten finden!, oder auch als Sie haben Fragen? Hier finden Sie die Antworten! benennen. Das bleibt ganz Ihnen überlassen. Informieren Sie nur Ihre Studierenden/Lernenden darüber, dass sie wichtige Informationen sowie Antworten auf häufige Fragen in diesem Forum finden können und sie dieses somit regelmäßig besuchen sollten.

Geben Sie dabei einen Rhythmus vor, indem Zusammenfassungen von Ihrer Seite immer am gleichen Tag und zur selben Zeit ausgeschickt werden. Oder seien Sie regelmäßig zu vorgegebenen Zeiten online, so dass sich eine gewisse Struktur für die Lernenden ergibt. (Vgl. ebd.: 65)

Geben Sie Feedback!

Das Wichtigste in dieser Phase – und wohl für den E-Moderator bzw. die E-Moderatorin Zeitaufwändigste – ist das Geben von Feedback und die Vermittlung des Gefühls, in der geleisteten Arbeit wahrgenommen zu werden:

E-moderators should celebrate, give value to and acknowledge contributions to discussion processes and knowledge sharing by participants, and give credibility, authenticity and verification of information offered. Summative feedback and assessment can be introduced at stage three, especially if aligned with the online processes and achievements. (ebd.: 40)

Und auch wenn Sie nur mit wenigen Zeilen auf die Postings reagieren: Die Lernenden werden daraus jene Motivation ziehen, die sie benötigen, um weiterhin aktiv mitzumachen. Sie wissen ja selbst: Aufgaben, die nicht beurteilt oder kontrolliert werden, verlieren ihre Wichtigkeit und werden fortan nicht mehr erledigt, weil „sich eh niemand dafür interessiert“. Geben Sie den Lernenden das Gefühl, dass ihre Beiträge wertvoll sind, helfen Sie ihnen gleichzeitig, die Qualität ihrer Beiträge zu verbessern, indem Sie Tipps und eventuell Beispiele geben. Informieren Sie die Lernenden in diesem Zusammenhang über ihren Fortschritt und die Lücken, die eventuell noch vorhanden sind. So geht Ihnen keine Teilnehmerin bzw. kein Teilnehmer auf dem Weg „verloren“.

Stufe 4: Wissenskonstruktion

Auf der vierten Stufe beginnt mit der Wissenskonstruktion nun die eigentliche Kollaboration und Interaktion zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie halten ihre Meinungen zu Texten fest, kommentieren Meinungen ihrer Kolleginnen und Kollegen und werden selbst kommentiert. Neue Perspektiven, Standpunkte und Blickwinkel auf ein Thema können sich so ergeben und in die eigene Arbeit eingearbeitet werden. Es geht darum, seinen eigenen Standpunkt zu vertreten und neue Standpunkte kennenzulernen und auf diese zu reagieren. Wissenskonstruktion findet statt, denn: „The use of networked technologies enables access to the communication and sharing of […] knowledge, the opportunity to present and publish individual and collective views, and easy ways of building on the ideas of others.“ (ebd.: 41) Die verschiedenen Meinungen stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander. Der E-Moderator bzw. die E-Moderatorin kann sich in dieser Phase immer mehr zurückziehen, auch wenn noch Arbeit für ihn bzw. sie anfällt. Man kann die Moderator/innen-Rolle an einzelne Teilnehmer/innen abgeben und selbst inhaltlich an der Diskussion teilnehmen, wobei das Gefühl der Präsenz immer vorhanden sein sollte:

However, some participants may feel uncomfortable at expressing controversial views […]. It takes skill in online activity design and interventions by the e-moderator to overcome such reluctance. E-moderators may need to ask more questions, seek more discussion, motivate, challenge, complement and encourage all participants. Attempts can be made to gradually reduce dependency of the virtual group on the e-moderator. E-moderators should design for group interaction, create e feeling of ‘presence’ […], but also make it clear they are not always available, perhaps ‘handing on the baton’ to participant leaders in small groups. (ebd.: 42)

Dabei nimmt der E-Moderator bzw. die E-Moderatorin grundsätzlich dieselbe Rolle ein, wie während einer Gruppenarbeitsphase im Präsenzunterricht: Die Gruppen sollen das Gefühl haben, unterstützt und wahrgenommen zu werden, auch wenn der Moderator oder die Moderatorin sich hauptsächlich im Hintergrund hält. Aus diesem Grund ist es vielleicht notwendig, die Lernenden darauf hinzuweisen, „[not to] expect the e-moderator to provide ‘the answers’“ (ebd.: 45). Die Wissenskonstruktion soll durch ihre Zusammenarbeit und Interaktion entstehen, wobei der Moderator bzw. die Moderatorin bei Problemen und Hindernissen immer wieder intervenieren oder nützliche Tipps und Hinweise einwerfen kann. Der Moderator oder die Moderatorin kann darüber hinaus als Schnittstelle fungieren, von der einzelne Beiträge zusammengeführt werden. Dafür eignet sich die Technik des Webens besonders gut.

Die Technik des Webens

Mit der Technik des Webens können verschiedene Diskussionen beschrieben und in ein homogenes Ganzes überführt werden. Durch die Schriftlichkeit von Forenbeiträgen lassen sich diese leichter in einen strukturierten Text zusammenführen als dies bei Gedankenprotokollen beispielsweise der Fall ist. So können Sie beispielsweise verschiedene Beiträge in verschiedenen Foren, die ein Thema berühren, zu einer gemeinsamen Nachricht verweben. Dabei gehen die Weber/innen wie folgt vor:

They pull together the participants’ contributions by, for example, collecting statements and relating them to concepts and theories from the course. They enable development of ideas through discussion and collaboration. They summarize from time to time, span wide-ranging views and provide new topics when discussions go off track. They stimulate fresh strands of thought, introduce new themes and suggest alternative approaches. In doing all this work, their techniques for sharing good practice and for facilitating the processes become critical. (ebd.: 42)

Tipp
Das Weben eines Textes kann als Aufgabe an einen Teilnehmer oder eine Teilnehmerin delegiert werden, der/die so beispielsweise die Ergebnisse einer gruppeninternen Diskussion dokumentieren kann.

Es geht also nicht darum, verschiedene Meinungen zusammenzufassen, sondern diese miteinander in einen Text zu verweben und dabei seinen persönlichen Standpunkt einzubringen. Salmon (ebd.: 156) beschreibt die „differences between summarizing and weaving“ folgendermaßen:

Summarizing is rather like reproducing the material in shortened form, picking out the main points. The original meanings are not removed. Weaving is a more creative task that selects themes and rearranges them into a new statement, making connections that may not have been intended by the writers. Compare with lots of woolen threads. A summary might say ‘there are five red ones, five white ones and five blue ones and two of other colours.’ A wave might say ‘I have made a small flag out of coloured wool, including some that I had left over from another project!’ So to summarize, the summary shortens, the weave selects and adds to, and the insight may be that the e-moderator weaves when he or she selects some themes from the participants and relates these two things that he or she is aware of.

Der entstehende gewebte Text sollte auf eine weiterführende Diskussion abzielen, neue Ideen einbringen und so der Diskussion neue Nahrung geben. Dabei können einzelne Aussagen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zitiert, andere in den Ergebnissen zusammengefasst werden. Wichtig ist, dass Sie positives Feedback oder kritische Punkte einfließen lassen. Seien Sie dabei durchaus kritisch und nehmen Sie eine metareflexive Perspektive ein. Sollten Fragen offen geblieben sein, stellen Sie sie hier noch einmal und fordern Sie die Teilnehmer/innen auf, diesen neuen verwebten Beitrag zu kommentieren. So kann eine – durch ein Einzelposting vielleicht unübersichtlich gewordene – Diskussion wieder in Gang gebracht werden.

Stufe 5: Selbstorganisation und persönliche Weiterentwicklung

Diese letzte Stufe meint die Meta- und Reflexionsebene der Arbeit mit mediengestützten Kursen und somit Moodle. An dieser Stelle angekommen, fordern die Teilnehmer/innen neue Herausforderungen, in Form von mehr Möglichkeiten und Rechten am System, neuer Software oder auch der Möglichkeit, selbst als E-Moderator/in eine Aktivität oder einen Kurs zu führen. „It is also at this stage […] that participants find ways of producing and dealing with humour and the more emotional aspects of writing and interacting.“ (ebd.: 48) Sie haben die technischen Anforderungen internalisiert, ihr Fokus verschiebt sich auf die Reflexion ihrer eigenen Rolle und den Wunsch, neue Rollen kennenzulernen. „[They] reflect on and discuss how they are networking and […] evaluate the technology and its impact on their learning processes“ (ebd.). Die Lernplattform oder der mediengestützte Kurs werden auf ihre Methodik und die systemische Komponente hin kritisch hinterfragt. Daraus ergeben sich Forderungen und Anregungen. Nutzen Sie diese Meinungen, um Ihren Kurs weiterzuentwickeln. Sehen Sie die vielleicht auftretenden kritischen Kommentare als konstruktive Kritik und als potentielle Blickwinkel, die Ihnen erlauben, den Kurs für das nächste Mal zu optimieren.

Wählen Sie die Medien gezielt aus!

Die Entscheidung, welche Kommunikationsmedien Sie einsetzen, wird auf Basis mehrerer Faktoren getroffen. Wie ist die Gruppengröße? Kann ich die Gruppen aufspalten? Ist eine synchrone oder asynchrone Kommunikation erwünscht? Die mir zur Verfügung stehenden Programme und Medien erlauben welche maximale Gruppengröße? Moodle hat den Vorteil, dass weder Chat noch Forum auf eine maximale Teilnehmer/innen-Zahl beschränkt sind. Sie können mit beinahe unendlich großen Gruppen arbeiten. Aber seien Sie gewarnt: Umso kleiner die Gruppe, umso größer die Teilnahme und der Output für jeden. Kleingruppen ermöglichen es, alle Lernenden „zu erwischen“, Großgruppen erleichtern das Lurking. Also teilen Sie lieber die Großgruppe in Teilgruppen. Es wird für Sie als E-Moderator oder als E-Moderatorin viel weniger Stress bedeuten!

Zeigen Sie Präsenz!

Für die Teilnehmer/innen ist es wichtig, das Gefühl der Präsenz des E-Moderators bzw. der E-Moderatorin zu haben. Doch kann dieser oder diese nicht 24 Stunden am Tag da sein. Hier sind einige Tricks von Gilly Salmon (ebd.: 160), wie der E-Moderator bzw. die E-Moderatorin dennoch das Gefühl der Anwesenheit vermitteln kann:

Send out a personal e-mail letter to all participants before the course starts, indicating how often they can expect you to visit (usually once a day).

Greet each participant by a welcome e-mail on his or her first arrival, as well as acknowledging his or her arrival in the conference.

Ask for each participant so send a personal e-mail to the e-moderator as well as post a message in the conference, early in the course. This helps to check who has arrived and when, and makes it easy to respond individually.

Mention each participant by name at some point in early summaries. Continue to mention individuals in your messages. This is very motivating and a fine way to acknowledge contributions.

Run an e-tivity at stage one, exploring how participants expect to fit the conferencing into their daily lives, and self-disclose a little about yours.

As the conference builds up and you find you have many messages to rad on your arrival each day, focus on the last few messages in a thread (rather than reading them chronologically).

Weitere Tipps und Tricks finden sich bei Salmon (ebd.: 160f.). Es ist klar, dass Sie für sich jene Punkte herauspicken können, die auch in Ihre Lehre oder Ihren Unterricht passen. Durch eine erste Nachricht in einem Forum können Sie die Lernenden gleich daran gewöhnen, mit einem Forum richtig umzugehen. Zwei Fliegen könnten mit einer Klappe erschlagen werden… Und ebenfalls wichtig: Können Sie einmal – aus dienstlichen oder privaten Gründen – für einen längeren Zeitraum nicht online sein, dann informieren Sie die Lerngruppe darüber, um unnötige Panik und Verzweiflung zu vermeiden.

Die Frage der Beurteilung…

Steht man mit seinen Studierenden in Online-Interaktion und -Kommunikation, so lässt sich eine Beurteilung an zumindest vier Faktoren festmachen:

1. Motivation and online socialization skills demonstrated through regular and frequent contributions. 2. Knowledge and understanding demonstrated through sharing of relevant information. 3. Ability to draw out, compare and reflect on applications of knowledge in a variety of contexts demonstrated by the quality of message contributions. 4. Ability to evaluate and synthesize others’ contributions on the discussion board, and post messages accordingly, hence demonstrating personal development and learning. (ebd.: 114)

Nicht nur das Faktenwissen als Sach- oder Fachkompetenz kann abgeprüft und beurteilt werden: Es geht nicht nur darum, Inhalte als deklaratives Wissen abzuprüfen, sondern Kompetenzen als prozedurales Wissen zu evaluieren. Studierende sollen nicht nur fachliches Wissen erarbeiten, sie sollen auch zeigen, dass sie mit Kommunikationsmedien umgehen und in diesem Bereich eine spezifische sozial-kommunikative Kompetenz entwickeln können. Die Koordination kooperativer oder kollaborativer Projekte verlangt von Ihren Studierenden einiges an Zeit.

Sie benötigen ebenfalls einen spezifischen Zeitraum, um sich an die neuen Medien zu gewöhnen, an einer Videokonferenz oder einem schriftlich geführten Chat teilzunehmen, Arbeitsaufträge rechtzeitig und in einer gewünschten Form zu erledigen. Beachten Sie dabei die Motivation und das Engagement genauso wie den Fortschritt der Kompetenzentwicklung: „The learning point for me here was that I should not assume lurking necessarily meant laziness“ (ebd.: 115). Am Anfang können und dürfen bei Foreneinträgen oder der Mitarbeit in Konferenzen oder Chats noch Fehler passieren. Hier ist es die Aufgabe des E-Moderators bzw. der E-Moderatorin, die Fehlerursachen zu finden und den Lernenden zu helfen, sich selbst zu helfen. Nicht immer bedeutet Passivität auch Faulheit, vielleicht gibt es ja ein technisches oder kommunikatives Problem. Geben Sie am Anfang der Lehrveranstaltung oder der Lehreinheit jedenfalls bekannt, worauf es Ihnen in einem Forum, einer Konferenz oder einem Chat ankommt, wie viele Beiträge Sie sich erwarten, welche Qualität Sie sich erwarten. Je transparenter Sie Ihre Lehrziele definieren – auch in Hinblick auf die Entwicklung von sozial-kommunikative und Medienkompetenz –, desto leichter ist es für Studierende, diese Lernziele zu erreichen.

*****

Didaktisch gesehen wird der Einsatz einer Lernplattform, und speziell von Moodle, in Unterricht und Lehre aus mehreren Perspektiven motiviert. Durch die individuelle Gestaltbarkeit der Außenseite des Moodle-Kurses, wird eine angenehme und einladende Lernumgebung geschaffen, die ein motiviertes Arbeiten erleichtern kann. Werden Dokumente in einen dunklen und kalten Raum gestellt, kann davon ausgegangen werden, dass sich dort niemand gerne aufhalten möchte. Sind die Dokumente jedoch in einer individuell gestalteten Umwelt abgelegt, dann steigern sich Wohlfühlfaktor und Motivation. Gleichzeitig lässt sich die Lernplattform an die jeweiligen Bedürfnisse der Lernendengruppe optimal anpassen. Durch die Integrierbarkeit multimedialer Inhalte sowie unterschiedlichster Aktivitäten zur Kollaboration und Kommunikation können die verschiedenen Lerntypen genauso angesprochen werden wie verschiedene Lernniveaus.

Auch zeichnet sich Moodle durch eine besondere Möglichkeit der Personalisierung aus, die den sonst anonymen Raum personalisierter macht. Studierende und Lehrende können jeweils ihr Profil gestalten und aktualisieren, indem sie zum einen ein Foto oder ein Bild von sich hochladen können, was für die Lehrperson den Vorteil bietet, dass zuhause Namen und Bilder noch einmal wiederholt werden können, um sie sich leichter oder schneller zu merken. Dies kann eine Erleichterung im Präsenzunterricht darstellen. Zum anderen können einige Worte zur eigenen Person, Interessen und Forschungsschwerpunkten, die Sprechstunde oder auch ein Link zur Homepage der Lehrperson angefügt werden, so dass die Studierenden diese Informationen zentral an einem Ort finden. Gerade in den Kommunikationsanwendungen wird es durch diese Personalisierung möglich, mit Studierenden und nicht mit Computern zu kommunizieren. Auch hier spielt der Wohlfühlfaktor unweigerlich hinein.

Tipp
Weitere wertvolle Tipps finden Sie unter: http://docs.moodle.org/22/en/Teaching_do‘s_and_don‘ts.

Durch die flexibel gestaltbare Rollenverteilung können Studierende für einzelne Aktivitäten spezielle Rollen erhalten und so beispielsweise in die Rolle eines E-Moderators bzw. einer E-Moderatorin schlüpfen und somit nicht nur Fachkompetenz erwerben, sondern auch aktiv an der Ausbildung und Erweiterung ihrer Medien-, der Methoden- und der sozial-kommunikativen Kompetenz arbeiten. Gerade diese flexible Rollengestaltung wie die Gruppenfunktion auf Moodle können in entscheidendem Ausmaß zu einem nachhaltigen Unterricht beitragen, insofern wirkliches Learning by Doing ermöglicht wird. Durch die Möglichkeit der Speicherung der Chatprotokolle und ihrer (Un-)Sichtbarschaltung kann gleichzeitig eine Ergebnissicherung ermöglicht werden, ohne zusätzliche Arbeit zu machen.

Der Aufbau von Moodle ist dabei denkbar einfach. Wie bereits am Beginn des Kapitels beschrieben, lassen sich links und rechts Blöcke gestalten und in der Mitte, im Kursbereich, Arbeitsmaterialien und Aktivitäten anlegen. Auf diese Bereiche wird in den folgenden Kapiteln näher eingegangen.

Exkurs: Chatiquette

Arbeitet man mit einem Chat, dann sind – wie in jeder Kommunikation – Regeln einzuhalten. Diese können gemeinsam in einer der Aktivitäten auf Moodle formuliert werden, sie können jedoch auch als Handzettel ausgegeben werden. Hier findet sich eine kleine Übersicht über mögliche Regeln und Tipps:

Was beim Chatten zu beachten ist…

  • Begrüßen Sie die Leute beim Betreten des Chats!
    • Achtung: Ein „Hallo“ reicht – es ist nicht notwendig, jede/n einzeln zu begrüßen.
  • Bleiben Sie höflich!
  • Akzeptieren Sie fremde Meinungen!
  • Das Schreiben IN GROSSBUCHSTABEN gilt als unhöflich, denn es wird als „SCHREIEN“ gedeutet!
  • Wenn Sie auf eine Frage antworten oder jemanden direkt ansprechen, dann schreiben Sie den Namen davor!
    • @Vorname: Ich weiß…
  • Wenn Sie auf ein bestimmtes Thema antworten oder reagieren, dann schreiben Sie das Thema vor Ihren Beitrag!
    • @Wetter: Heute kann…
  • Achten Sie auf Ihre Tippgeschwindigkeit! Nicht jede/r tippt gleich schnell wie Sie!
    • Geben Sie Ihrem Gegenüber die Chance, zu antworten und warten Sie nach Ihrem Beitrag auf Antworten.
  • Längere Nachrichten brauchen viel Zeit, um gelesen zu werden. Schreiben Sie eher kurze Nachrichten und beenden Sie diese mit drei Punkte (…). So deuten Sie an, dass „noch etwas kommt“. Schließen Sie den Beitrag dann mit einem Satzzeichen ab!
  • Fragen Sie nach oder stellen Sie klar, ob Groß- und Kleinschreibung erwünscht wird.
  • Machen Sie sich keine Sorgen wegen Tippfehlern. Diese passieren!
    • Bessern Sie Fehler nur aus, wenn der Sinn nicht mehr gegeben ist.
  • Benützen Sie Smileys, um Gefühle oder Haltungen, wie beispielsweise Ironie, auszudrücken!
    • Benützen Sie Smileys, aber in einem rechten Maß.
  • Setzen Sie Abkürzungen sparsam ein!
    • Verwenden Sie nur Abkürzungen, die bekannt sind.
  • Verlegen Sie private Gespräche außerhalb des Chats oder in einen speziell dafür geschaffenen Chat!
  • Verabschieden Sie sich am Ende des Chats von Ihren Kolleginnen und Kollegen!

Zahlreiche weitere Informationen zur Chatiquette, weitere Regeln und Hinweise zu Abkürzungen und Emoticons finden sich im Abschnitt, der sich mit der Aktivität Chat befasst. Ähnliche Regeln können im Sinne einer Netiquette ganz allgemein für Foren angewandt werden.

  • Auch hier sind die Regeln der Höflichkeit und Objektivität, des Feedbackgebens und der Themenbezogenheit zu beachten.
  • Abkürzungen und Smileys sind ebenfalls nur sparsam einzusetzen.
  • Wichtig ist jedoch, dass hier sehr wohl auf Rechtschreibung und auf die Struktur der Beiträge zu achten ist, dass jedoch die Tippgeschwindigkeit der Kolleginnen und Kollegen nicht zu berücksichtigen ist.
  • Forenbeiträge können recherchiert werden und sollten somit eine gewisse Qualität aufweisen. Hier zählt folglich nicht die Quantität, sondern die Qualität der Beiträge. Beiträge, die nur Zustimmung bekunden, ohne diese zu belegen oder explizieren, sollten somit jedenfalls überdacht werden
  • Gerade bei Forenbeiträgen hat man die Möglichkeit, auch Bilder oder andere Mediendateien einzufügen oder als Attachement anzuhängen. Achten Sie hier auf das Urheberrecht!
  • Ein themenspezifisch-inhaltlich orientiertes Forum, außer, es handelt sich um eine Cafeteria beispielsweise, funktioniert nur, wenn es moderiert wird. Überlegen Sie sich, ob Sie die Moderation selbst übernehmen wollen oder Studierende dafür einsetzen.

Einen kompakten Überblick über Regeln für die Kommunikation im Netz liefert Evelyne Marti. Auch zur Netiquette finden sich weiterführende Informationen, Links und Übersichten in diesem Buch, nämlich im Abschnitt, der sich mit der Aktivität Forum beschäftigt.

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