Moodle: Am Anfang steht der leere Kurs

1. Erste Schritte in der Konzeption einer mediengestützten Lehrveranstaltung

1. Erste Schritte in der Konzeption einer mediengestützten Lehrveranstaltung

Wenn Sie sich dafür entschieden haben, eine Lehrveranstaltung mediengestützt zu konzipieren, sollten Sie verschiedene Schritte beachten. Aber keine Angst: Im Grunde genommen beachten Sie dieselben Schritte und Phasen, die Sie im Zuge jeder Konzeption beachten. Es sind lediglich ein paar Zusatzpunkte, die überdies Eingang in Ihre Überlegungen finden müssen. Dabei können Sie dem sogenannten ADDIE-Modell folgen, das die unterschiedlichen Phasen einer Lehrveranstaltung, von der Analyse der Rahmenbedingungen bis zu ihrer eventuell notwendigen Reorganisation, abdeckt.

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Man startet also bei der Analyse der Rahmenbedingungen. Diese können von der Bildungsanstalt bereits vorgegeben sein. Man sollte sich zur Sicherheit vorab erkundigen, wie etwaige Vorgaben aussehen. Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:

  • Mit wie vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist in der jeweiligen Lehrveranstaltung zu rechnen? Welche Vorkenntnisse sind – sowohl in fachlicher Hinsicht als auch in Hinblick auf die Medienkompetenz – zu erwarten? Wie ist die Zusammensetzung der Teilnehmer/innen-Gruppe in Hinblick auf Herkunft, Alter, Geschlecht, Ausbildung etc.?
  • Wie sieht die vorhandene Infrastruktur aus? Gibt es einen Computer-Raum mit genügend Computern? Handelt es sich um eine Laptopklasse? Gibt es im Unterrichtsraum einen Beamer oder ist ein solcher zu reservieren? Ist die Fernbedienung für den Beamer separat zu reservieren? Haben die Lernenden die Möglichkeit, auch zuhause mit der Lernplattform zu arbeiten? Haben alle Lernenden einen Computer mit Internetverbindung zuhause? Kann vom Vorhandensein zusätzlicher mobiler Devices ausgegangen werden (z. B. Smartphone, Tablet-Computer)?
  • Welche technischen Voraussetzungen sind bzw. welche Software ist für das Gelingen der jeweiligen Einheit oder Lehrveranstaltung vorhanden oder noch zu installieren?
  • Welcher Lehrveranstaltungstyp (im tertiären Bereich) wird mediengestützt? Handelt es sich beispielsweise um eine Vorlesung oder ein Seminar? Welche Aspekte sind in diesem Zusammenhang zu beachten, da sie von der Bildungseinrichtung vorgegeben sind (z. B. Anzahl der Prüfungen, Wesen der Prüfung, Partizipationsgrad der Studierenden)?
  • In welchem Ausmaß soll die Lehrveranstaltung mediengestützt werden? Handelt es sich um eine rein virtuelle Lehrveranstaltung, um eine dem Interaktions- oder Anreicherungskonzept folgende Lehrveranstaltung?
    • Bei virtuellen Lehrveranstaltungen: Muss ich Zeitverschiebungen einplanen? Wo befinden sich meine Lernenden geographisch? Welche Sprache ist für den Kurs bzw. die Materialien zu wählen?
    • Möchte ich einzelne Phasen einer Einheit oder Unterrichtsstunde oder einen Block, der mehrere Einheiten bis zu einem gesamten Semester umfasst, mediengestützt konzipieren?
Tipp
Eine Checkliste zur Erhebung der Rahmenbedingungen finden Sie im Anhang.

Sind diese Fragen geklärt, also die Rahmenbedingungen abgesteckt, widmet man sich am besten gleich dem inhaltlichen Design. Dieses können Sie in Form von Mindmaps gestalten, in Form von Seitenspiegeln oder Stundenbildern. Das bleibt ganz Ihnen überlassen und kann ganz nach Ihren persönlichen Vorlieben passieren. Sehen Sie hier, welche einzelnen Punkte dabei zu beachten sind:

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Lehr- bzw. Lernziele und Inhalte sind oftmals von der jeweiligen Institution oder dem Lehrplan vorgegeben. Vergessen Sie bei den Lehr- und Lernzielen nicht, auch die Medienkompetenz als gewonnene Kompetenz anzugeben. Lernende erwerben nicht nur fachliche oder personale Kompetenzen, sie entwickeln gleichzeitig Methodenkompetenzen. Und beim Einsatz neuer Medien in Unterricht und Lehre muss eine gewisse Medienkompetenz vorhanden bzw. entwickelt werden. In den Rahmenbedingungen haben Sie ja bereits erhoben, wie viel Vorwissen und Vorkenntnisse im Bereich Medienkompetenz vorausgesetzt werden können. Nehmen Sie darauf in den Lehr- und Lernzielen Bezug.

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Exkurs 1: Zum Formulieren von Lehr- und Lernzielen

Zahlreiche Wissenschaftler/innen und Theoretiker/innen haben sich mit dem Thema Lehr- und Lernziele kritisch auseinandergesetzt und verschiedene Modelle zur Erfassung und Einteilung von Lernzielen verfasst. Dabei werden auf einer Makroebene kognitive, affektive und psychomotorische Lernziele unterschieden, die noch weiter unterteilt werden können.

Tipp
Einen kompakten Überblick über verschiedene Taxonomien liefert Werner Stangl in seinen Arbeitsblättern über Lernziele.

Beim Formulieren selbst sind einige Punkte zu beachten:

TIPP 1: In der Kürze liegt die Würze!

Formulieren Sie kurze und dafür mehrere Lernziele. Für die Lernenden ist es, was die Motivation betrifft, besser, mehrere Punkte abzuhaken, als einen Punkt mit vielen Informationen abzuarbeiten.

TIPP 2: Verwenden Sie positive Formulierungen!

Prinzipiell besteht die Möglichkeit, Lernziele auf zwei Arten zu formulieren. Sie können die Formulierung Die Lernenden können… oder die personalisierte Variante Ich kann… verwenden. Wählen Sie jene Variante, die für Sie – oder auch Ihre Lerngruppe – adäquater erscheint.

TIPP 3: Verwenden Sie Gliederungssymbole!

Diese ermöglichen das übersichtliche Abarbeiten der einzelnen Lernziele. Die Lernenden können diese nacheinander erledigen und verlieren nicht den Überblick.

TIPP 4: Formulieren Sie klar und deutlich!

Verwenden Sie aussagekräftige Verben und keine Passepartout-Verben. So können Sie differenzierte Lernziele formulieren und die verschiedenen Kompetenzen abdecken. Die Lernenden können etwas benennen, wiedergeben, vortragen, sie können etwas anwenden, einordnen oder analysieren, sie können interpretieren, konzipieren und begründen: Die Auswahl des Verbs gibt das Lernziel an.

Tipp
Eine Handreichung zum Thema Formulieren von Lernzielen liefert das Sächsische E-Competence Zertifikat.

TIPP 5: Geben Sie das WIE an!

Geben Sie den Lernenden einen Hinweis zur Erreichung des Lernziels. Formulieren Sie das Wie kann das Lernziel erreicht werden? mit aus. Dies können Sie durch eine einfache indem-Konstruktion lösen. Schreiben Sie zum Beispiel: Ich kann die chromatische Tonleiter in einem Tempo von 80 fehlerfrei spielen, indem ich täglich übe, langsam beginne und mein Tempo kontinuierlich steigere. So können Sie den Lernenden gleichzeitig wertvolle Lerntipps geben!

TIPP 6: Es gibt nicht nur Fachkompetenzen!

Bedenken Sie, dass es nicht nur Fachkompetenzen gibt, die entwickelt und gefestigt werden können. Daneben können je nach Übung personale, sozial-kommunikative und Methodenkompetenzen als Lernziele angegeben werden. Verschiedene Übungen können den Schwerpunkt auf verschiedenen Kompetenzen haben, wie sie von Volker Heyse und John Erpenbeck (2004) in ihrem Buch Kompetenztraining ausformuliert wurden. Dabei werden vier große Gruppen von Kompetenzen unterschieden, nämlich 1) personale Kompetenz, 2) Aktivitäts- und Handlungskompetenz, 3) sozial-kommunikative Kompetenz sowie 4) Fach- und Methodenkompetenz. Innerhalb dieser Kompetenzbereiche werden (besonders in Kapitel fünf im Zuge der Beschreibung) noch weitere Unterteilungen vorgenommen. Auch diese sind an Heyse und Erpenbeck (2004) sowie an die Diktion der Sprachdidaktik, wie sie beispielsweise bei Bredel et al. (2006) angeführt ist, angelehnt.

TIPP 7: Greifen Sie in der Assessmentphase auf die Lernziele zurück!

Wenn Sie am Ende einer Unterrichtsphase nach einer geeigneten Assessmentform suchen und die Aufgaben oder Fragen formulieren, greifen Sie auf die Lernziele zurück. Je deutlicher die Lernziele formuliert sind, desto operationalisierbarer sind sie für Sie. Formulieren Sie dabei Fragen und Aufgaben, mit denen Sie beispielsweise auch die Medienkompetenz mit abdecken. Ist zum Beispiel ein Forenbeitrag nicht nach den von Ihnen geforderten formalen Kriterien verfasst und hat der/die Lernende angegeben, er/sie könne Forenbeiträge verfassen, so wurde das Lernziel eben doch nicht erreicht. Übungsbedarf zeigt sich, auch wenn sprachlich oder inhaltlich alles richtig wäre.

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Sind die Lehr- und Lernziele einmal formuliert, kann mit der inhaltlichen Komponente begonnen werden. So die Theorie. In der Realität sieht es freilich anders aus. Inhalte sind meist von der Institution, der Hochschule, der Schule durch den Studien- oder Lehrplan vorgegeben und werden beim Formulieren von Lehr- und Lernzielen immer mit gedacht. Eine klare Trennung zwischen diesen beiden Bereichen ist weder möglich noch sinnvoll. Und sie widerspricht der Praxis. Entscheiden Sie also selbst, ob Sie zuerst lieber die Lehr- und Lernziele formulieren oder die Inhalte fixieren. Achten Sie dabei aber vielleicht auf den Genderaspekt und stellen Sie sich nicht nur die Frage, ob Sie gendersensibel formulieren, sondern auch, ob Sie Beispiele und Schwerpunkte gleichermaßen für Männer und Frauen liefern. (Vgl. Leitfaden für gendersensible Didaktik; Genderaspekte im e-Teaching)

Wichtig ist allerdings, dass erst im Anschluss an diese Phase die Auswahl der Medien und Methoden erfolgt. Es ist leicht nachvollziehbar, dass man sich zuerst die Frage nach dem Was (Welche Inhalte möchte ich mit welchem Ziel verfolgen?) und erst anschließend die Frage nach dem Wie (Welche Medien und Methoden wähle ich zur Vermittlung dieser Ziele und Inhalte?) stellt. Dabei sollten wie im traditionellen Unterricht Methoden und Medien variiert und gemischt werden, um möglichst viele Sinne und somit Kanäle anzusprechen und einen nachhaltigen Lerneffekt erzielen zu können. Die verschiedenen Lerntypen der Lerngruppe werden dankbar dafür sein. Dabei sollten unterschiedlichste Sozialformen berücksichtigt werden, um beispielsweise das soziale und eigenverantwortliche Lernen gewährleisten und die Teamfähigkeit entwickeln zu können. Man sieht, auch in der digitalen Welt der neuen Medien sind die gleichen Dinge zu berücksichtigen wie in der traditionellen „analogen“ Welt, wie Michael Kerres (2000: 19) betont, der die These aufstellt,

dass den neuen Medien das Potenzial zu Innovationen im Bildungsbereich nicht „innewohnt“ und Innovationen nicht durch Medien „bewirkt“ werden können. Sie sind vielmehr Resultat bestimmter didaktischer Konzepte und ihrer Umsetzung in der Bildungspraxis. Es wird die These vertreten, dass Medien lediglich eine „schwache“ Wirkung auf andere Entscheidungsfelder der Planung und das Unterrichtsgeschehen haben.

Es bieten sich nur andere, neue Möglichkeiten und Chancen für Lehrende und Lernende, denn Medien wurden auch bisher eingesetzt – Overheadprojektor, Tafel, Pinnwand und Whiteboard sind seit langer Zeit integraler Bestandteil von Unterricht und Lehre.

Tipp
Eine Übersicht über den Transfer traditioneller Methoden in den Bereich der neuen Medien finden Sie in Kapitel 5, wenn die einzelnen Aktivitäten in Moodle vorgestellt werden. Dabei werden jeweils Methoden für den Einsatz dieser Aktivitäten mitgeliefert und beschrieben.

Diese traditionellen Medien können durch neue Medien teilweise ersetzt und teilweise ergänzt werden, um sich zusätzliche Vorteile zu sichern. So können Lernende durch den Einsatz neuer Medien beispielsweise zeit- und ortsunabhängig wiederholen und arbeiten; sie können zusätzliche Kompetenzen, wie ganz allgemein die Medienkompetenz, erwerben und binnendifferenziert, das heißt: nach ihrem jeweiligen Wissensstand und Interesse, lernen und ihre Kenntnisse vertiefen. Interaktivität und Multimedialität werden durch neue Medien gefördert und ihr Einsatz in Unterricht und Lehre durch Moodle erleichtert. Dazu aber mehr in Kapitel 5.

Tipp
Nicht nur für die Lernenden, auch auf Ebene der Institutionen und der Bildungsangebote spielen (neue) Medien eine zentrale Rolle, die nicht unterschätzt werden sollte. (Vgl. Hüther 2005: 84)

Doch auch beim Einsatz neuer Medien in Unterricht und Lehre gilt es, selektiv zu sein, denn:

Jeder Bildungsverantwortliche nutzt […] offenbar routiniert die verschiedensten Medien für seine Arbeit. Aber wie und in welchem Umfang? Längst ist klar, dass es nicht um die Quantität der eingesetzten Medien geht und auch nicht darum, möglichst viele verschiedene Medien zu verwenden. Es kommt allein auf den Einsatz der ‚richtigen‘ Medien in Lehr-Lern-Situationen an (was auch schon mal bedeuten kann, vollständig auf Medien zu verzichten). (Sievers 2007: 7)

Weniger ist oft mehr! Man muss nicht alles gleichzeitig einsetzen, sondern wählt am besten sorgfältig aus, welches Medium und welche Methode sich in der jeweiligen Situation besonders eignen. Und da kann es eben auch passieren, dass keine Medien eingesetzt werden, dass frontal unterrichtet wird, oder wie auch immer. Auch der Nicht-Einsatz von Medien erzeugt Abwechslung, die einen gelungenen Unterricht nun einmal auszeichnet. Abwechslung und Vielfalt sind zwei Zauberwörter, die guten Unterricht und gute Lehre ausmachen. Nicht nur Methoden sollen abwechselnd eingesetzt werden, um die verschiedenen Lerntypen anzusprechen, auch verschiedene Medien und Sozialformen sind zu wählen, um einen multimedialen und ansprechenden Lehrauftritt zu erreichen.

1.1 Formen mediengestützter Lehre

In diesem Zusammenhang ist besonders eine Rahmenbedingung mitzubedenken, die ohnehin am Beginn der Konzeption als Voraussetzung der Planung steht: Welcher Typ mediengestützter Lehre wird eingesetzt? Spricht man von E-Learning, dann gibt es eine Vielzahl an Begriffen, die in diesem Kontext quasi herumschwirren:

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Grundsätzlich meinen alle Begriffe dasselbe, legen jedoch in ihrer spezifischen Ausprägung jeweils den Schwerpunkt auf einen kleinen Teilaspekt des Lernprozesses. So definiert Michael Kerres (http://beat.doebe.li/bibliothek/w01275.html) E-Learning „als Oberbegriff für alle Varianten internetbasierter Lehr- und Lernangebote“, Sabine Seufert und Dieter Euler (ebd.) verstehen E-Learning „als die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien im Lernprozess“. Dabei werden der Kommunikations- und Kollaborationsaspekt in den Vordergrund gerückt. Häufig wird in diesem Zusammenhang ein zweiter Begriff, nämlich Blended Learning, verwendet. Darunter versteht man mit Sabine Seufert und Peter Mayr (http://beat.doebe.li/bibliothek/w01417.html) „Lehr-/Lernkonzepte, die eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von ‚traditionellem Klassenzimmerlernen‘ und virtuellem bzw. Online Lernen auf der Basis neuer Informations- und Kommunikationsmedien anstreben“. Wie die Gewichtung aus Präsenz- und Onlinelehre ausfällt, kann hierbei recht unterschiedlich sein. Sobald aber beide Elemente vorhanden sind, kann man von Blended Learning sprechen.

An der Universität Graz haben sich auf begrifflicher Ebene drei Konzepte durchgesetzt, die sich im Grad der Interaktivität und Komplexität voneinander unterscheiden (Vgl. http://uni-graz.at/studienrecht/images/Curricula-Handbuch%20060207.pdf):

  • Das Anreicherungskonzept zeichnet sich durch eine klassische Struktur im Sinne der Dominanz von Präsenzphasen aus. Der Unterricht findet in einer Face-to-Face-Situation statt. Skripten, Materialien, administrative Informationen und Übungen zur Selbstkontrolle, die oft Teil der Präsenzlehre sind und in dieser vorgetragen werden, sind online verfügbar. Die Materialien und Informationen stammen – lehrendenzentriert – von der Lehrperson, Kollaboration, Kommunikation und Interaktion finden online eigentlich nicht statt. Lernplattformen, Blogs oder CMS können hier sozusagen als zentrale Sammelorte der Materialien fungieren.
  • Im Integrationskonzept hingegen bestehen Lehr- und Lernsettings sowohl aus Präsenz- als auch aus Online-Phasen, die inhaltlich und organisatorisch ineinandergreifen. Sie sind inhaltlich aufeinander abgestimmt. Auch hier können Materialien und Skripten, administrative Informationen und Übungen zur Selbstkontrolle auf einer Lernplattform, einem Blog oder einem Wiki beispielsweise, zur Verfügung gestellt werden, doch finden hier gleichzeitig Interaktion, Kommunikation und Kooperation statt. Der Aspekt des gemeinsamen Arbeitens und Kommunizierens steht im Vordergrund. Studierende können via Internet individuell betreut werden, auch in der Peergroup kann Kommunikation erfolgen. Chats, Foren oder Audio-/Videokonferenzen können genauso eingesetzt werden wie E-Mail oder Kurznachrichtensysteme. Das Integrationskonzept könnte folglich mit dem beschriebenen Konzept des Blended Learning gleichgesetzt werden.
  • Das virtuelle Konzept versteht sich als schwerpunktmäßig virtuell geführte Lehrveranstaltung, in der die Präsenzphasen auf ein Minimum reduziert sind. Besonders für Berufstätige oder bei großer räumlicher Distanz ist dieses Konzept von Vorteil, wie die Beispiele der Open University oder des EU-Projekts VCSE (Virtual Campus for a Sustainable Europe) zeigen. Auch hier kann auf Lernplattformen wie Blackboard oder Moodle bzw. auf Virtuelle Klassenzimmer oder Konferenzanwendungen als Basis des Online-Lernraums zurückgegriffen werden.

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Gerade die mediengestützte Lehre im Sinne des Blended Learning, die sich als Lehre versteht, die durch den Einsatz neuer Medien ergänzt und unterstützt wird, setzt sich zum Ziel, die Stärken von Präsenz- und Online-Lehre zu verbinden und für sich fruchtbar zu machen:

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Dabei sollte bedacht werden: Je größer die Interaktion, Kollaboration und Kommunikation sind, desto höher ist der Aufwand für die Lehrperson, die sich gerade in Konzeption und Vorbereitung sehr genaue Aufgaben sowie Ziele überlegen und didaktische oder inhaltliche Vorentlastungen betreiben muss, die in der traditionellen Präsenzlehre nicht geleistet werden müssen.

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1.2 Phasen des Unterrichts

Neben diesen Einsatzmöglichkeiten auf Mesoebene, das heißt, das Konzept einer gesamten Lehrveranstaltung betreffend, gibt es auch Einsatzmöglichkeiten von E-Learning auf Mikroebene, das heißt: in einzelnen Lehrveranstaltungseinheiten. Wie bei jeder Unterrichtseinheit des traditionellen Unterrichts unterscheidet man im Blended Learning verschiedene Unterrichtsphasen oder -sequenzen, die ineinandergreifen sollen, um einen nachhaltigen Unterricht zu erreichen. Drei Phasen gilt es nach Hilbert Meyer (2011: 122-180) zu unterscheiden:

  1. Während des Einstiegs gilt es, den Lernenden eine Orientierung zu geben bzw. sie zu motivieren. Klassische Stundeneinstiege werden der Besprechung der Hausübung gewidmet, um die Schüler/innen wieder in den Unterricht zu holen, auch Hinführungen zu neuen Themen fallen hier hinein. Im Online-Unterricht lassen sich derartige Szenarien genauso umsetzen, beispielsweise durch kleine Abstimmungen, Zwischenfragen oder Einstiegsdiskussionen in einem Forum oder ein Cyberstorming im Chat. Impulse, die früher ausgedruckt oder via Overheadfolie für die Studierenden zugänglich gemacht worden sind, werden nun in digitaler Weise zur Verfügung gestellt und sind den Lernenden auch nach der Unterrichtseinheit noch zugänglich. Zusätzlich kann der Einstieg in ein neues Thema multimedial via Videosequenz erfolgen. In Kapitel 5 wird in der Beschreibung der unterschiedlichen Aktivitäten jeweils angegeben, in welcher Phase sich die Aktivität in welcher Form einsetzen lässt.
  2. Die Erarbeitungsphase baut auf den Erkenntnissen der ersten Phase auf, hier werden Arbeitsaufträge abgearbeitet, die verschiedenen Kompetenzen – im Methoden-, Sach- oder Fach- bzw. sozial-kommunikativen Bereich – werden ausgebildet und trainiert. Hier werden Probleme erörtert und neue Stoffgebiete erarbeitet.
  3. Im Zuge der Ergebnissicherung kommt es zu einer Festigung und Sicherung , die beispielsweise durch eine gemeinsame Zusammenfassung durch Verweben einzelner Beiträge, einer Technik der E-Moderation, erreicht werden kann. Ergebnisse werden ausgewertet und reflektiert, Übungen zur Festigung werden durchgeführt. Wurden früher Pinnwände und Flipcharts abfotografiert oder abgezeichnet, so können sie das auch heute noch werden. Durch den Einsatz einer Lernplattform können diese Ergebnisse auf die Plattform gestellt werden und sind für alle zugänglich. Auch bieten Lernplattformen, gerade Moodle, die Möglichkeit, Diskussionen in einem Forum nachzuverfolgen, Chatprotokolle zu speichern und veröffentlichen oder gemeinsam in einem Wiki an einer Präsentation zu arbeiten. Gerade in der heutigen Zeit, in der Smartphones und Tablet-Computer stark im Kommen sind, kann Ergebnissicherung digital, durch Aufnahme eines Videos, erfolgen. Die Möglichkeiten hier scheinen beinahe unbegrenzt und richten sich nach den Ressourcen, die den Lernenden zur Verfügung stehen.

Besonders wichtig für den digitalen Lernprozess, egal, welches Medium, Konzept oder welche Methode Einsatz findet, ist es, Arbeitsaufträge klar und deutlich zu formulieren. Aufgrund der fehlenden direkten Interaktion wie im Klassenzimmer, im digitalen Raum sind Aufzeigen und Nachfragen oftmals nur schwer möglich, ist besonders auf eine klare und eindeutige Formulierung der Arbeitsanweisungen zu achten. Im Klassenzimmer kann die Lehrperson spontan reagieren und einen Arbeitsauftrag reformulieren, wenn sie erkennt, dass in der Gruppe ratlose Gesichter überwiegen. Im virtuellen Raum hingegen müssen bereits in der Konzeptionsphase verschiedene mögliche Fragen quasi vorhergesehen und so viel wie möglich im Arbeitsauftrag mitformuliert und Hilfestellungen gegeben werden, um die Lernsituation zu entlasten, wenn der E-Mail-Account der Lehrperson nicht voller Rückfragen sein soll und dennoch optimale Leistungen erzielt werden sollen. Hier nun einige Tipps, um Arbeitsaufträge effizient und gleichzeitig effektiv zu formulieren:

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Exkurs 2: Wie formuliere ich Arbeitsaufträge im Online-Bereich?

Wenn Sie Aktivitäten, interaktive Übungen also, in den Kurs integrieren wollen, ist es gerade im Online-Bereich äußerst wichtig, die Arbeitsaufträge besonders klar und deutlich zu formulieren. Dies ist online deshalb so wichtig, weil hier die direkte Face-to-Face-Situation fehlt und ein direktes, spontanes Interagieren zwischen Lernenden und Lehrenden deshalb nicht möglich ist. Wenn Sie vermeiden wollen, dass Sie mit E-Mail-Anfragen oder falsch verstandenen Aufträgen überhäuft werden, sollten Sie einige Kleinigkeiten beachten. Denn das Formulieren von Arbeitsaufträgen ist keine Hexerei!

TIPP 1: In der Kürze liegt die Würze! :-)

Das Lesen von Arbeitsaufträgen erfolgt meist am Bildschirm – und jede/r von uns weiß, dass das Bildschirmlesen besonders anstrengend ist. Deshalb sollten Arbeitsaufträge nicht übermäßig lang sein, doch müssen sie alle wichtigen Informationen enthalten: eine wahre Gratwanderung.

TIPP 2: Verwenden Sie Gliederungssymbole!

Wenn Ihr Arbeitsauftrag einmal länger ausfällt, verwenden Sie Gliederungssymbole und bringen Sie so eine Struktur in den Text. Geben Sie die verschiedenen Schritte des Arbeitsauftrages an. In welcher Reihenfolge werden die Arbeiten erledigt?

TIPP 3: Sprechen Sie die Lernenden direkt an!

Eine Grußformel am Beginn gibt Lernenden das Gefühl, direkt angesprochen zu werden.

TIPP 4: Formulieren Sie die Arbeitsaufträge direkt und auffordernd!

Vermeiden Sie lange Floskeln im Sinne „Ich bitte Sie, die Arbeiten der Kolleginnen und Kollegen mit Kommentaren zu versehen.“ und schreiben Sie stattdessen: „Kommentieren Sie die Arbeiten Ihrer Kolleginnen und Kollegen!“.

TIPP 5: Formulieren Sie gendersensibel!

Sprechen Sie in Ihren Arbeitsaufträgen immer von beiden Geschlechtern und versuchen Sie, Beispiele und Themen gendergerecht an die Bedürfnisse beider Geschlechter anzupassen!

TIPP 6: Achten Sie auf einen einheitlichen Aufbau der Arbeitsaufträge!

Ein Arbeitsauftrag sollte mehrere Punkte enthalten, die nach Möglichkeit durch Gliederungssymbole unterschieden werden können:

  • Überschrift oder direkte Anrede der Studierenden/Lernenden
  • Ziel der Aufgabe (Angabe der Lehr- und Lernziele)
  • Inhalt der Aufgabe (Was ist zu tun?)
    • Eigentlicher Arbeitsauftrag (Was ist zu tun?)
    • Frist der Erledigung (Bis wann ist es zu erledigen?)
    • Ort der Erledigung (Wo ist die Arbeit zu erledigen?)
    • Form der Erledigung (In welcher Form oder welchem Format soll die Arbeit erledigt werden? In welcher Länge?)
    • Hinweise zur Erledigung (Welche Felder müssen ausgefüllt werden? Wie erstelle ich einen Eintrag ins Forum? Wie kann ich kommentieren?)
    • Angabe der Hilfsmittel und Quellen (Welche Materialien darf der/die Lernende zu Rate ziehen? Wo kann man nachsehen?)
  • Bewertung der Aufgabe? (Wie wird die Aufgabe bewertet? Von wem wird sie bewertet? Wird sie überhaupt bewertet?)
  • Weitere Schritte? (Was passiert nach Erledigung des Arbeitsauftrages?)
  • Abschlussformel (ein paar nette Worte zum Schluss)

TIPP 7: Verwenden Sie Emoticons! B-)

Verwenden Sie in Ihren Arbeitsaufträgen Emoticons, die in Moodle als Graphik zur Verfügung stehen. Sie können sie aber auch manuell über die Tastatur eingeben! Mit Hilfe dieser Smileys können Sie zum einen Gefühle zeigen, zum anderen den Text aufpeppen. Aber vergessen Sie auch hier nicht: Weniger ist oft mehr!

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Sind die einzelnen Schritte bisher bewältigt, fehlt nur mehr der letzte Bereich, jener der Evaluation bzw. Leistungsüberprüfung. Wie bereits im Abschnitt zu den Lehr- und Lernzielen erwähnt, sollten bei der Evaluation der Leistungen nicht nur die Fachkompetenz im Sinne einer Überprüfung des erlernten Wissens, sondern auch andere Kompetenzen im Auge behalten werden. Auch hierfür bieten sich in der virtuellen Welt verschiedene Möglichkeiten und Werkzeuge an. In Kapitel 5 ist der Leistungsprüfung im Zuge der Beschreibung der Aktivität Test ein eigener Abschnitt gewidmet. Dort werden einzelne Werkzeuge und Methoden vorgestellt. Zuvor sollte aber noch der Bereich Fragestellung angesehen werden. Auch hier sind im Online-Bereich einige Punkte zu beachten, die Ihnen das Leben im virtuellen Unterricht erleichtern können.

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Exkurs 3: Wie formuliere ich Fragen im Online-Bereich?

Im Lernprozess lassen sich drei Assessmentformen unterscheiden: das summative, das formative und das diagnostische Assessment. Summativ meint, dass eine Abschlussprüfung über die Leistungen und gleichzeitig meist über ein Aufsteigen oder Weiterkommen entscheidet. Es wird vor allem am Ende von Lehrveranstaltungen oder Themengebieten eingesetzt. Ziel des summativen Assessments ist es, eine Selektion zu treffen. Das diagnostische Assessment hingegen ist am Beginn eines Studiums oder einer thematischen Einheit zu sehen. Auch hier erfolgt eine Selektion, jedoch werden quasi Eingangsvoraussetzungen und Wissen erhoben. Es kann beispielsweise dafür eingesetzt werden, Vorkenntnisse und Vorwissen abzustecken, um die Auseinandersetzung mit einem Thema auf dieses Vorwissen abstimmen und gegebenenfalls auch Vorentlastungen treffen zu können. Das formative Assessment hat den Lernfortschritt der Lernendengruppe im Fokus. Nicht am Ende oder am Anfang einer (thematischen) Einheit erhalten die Lernenden ein Feedback zu ihren Leistungen, sondern kontinuierlich. Das formative Assessment meint, die Studierenden in ihrem Lernprozess und ihrer Kompetenzentwicklung zu begleiten und an mehreren Stellen Feedback und Rückmeldungen zu geben. (Vgl. Handke/Schäfer 2012)

Allen Assessmentformen ist jedoch gemeinsam, dass zur Überprüfung das Fragestellen notwendig ist. Prinzipiell lassen sich zwei verschiedene Fragetypen unterscheiden, die im Assessment Anwendung finden können: offene und geschlossene Fragen. Die geschlossene Frage erfordert eine kurze, eindeutige Antwort, offene Fragen hingegen lassen sich nicht mit kurzen, eindeutigen Antworten – einem Wort, einer Wortgruppe oder einem Satz – beantworten. Hier sind längere, ausführlichere und somit meist auch individueller gestaltete Antworten zu erwarten. Werden Lehre und Unterricht mediengestützt konzipiert, fällt im Bereich des Assessments insofern eine große Erleichterung an, als viele Lernplattformen oder Anwendungen und Werkzeuge geschlossene Fragen quasi selbstständig korrigieren können. Offene Fragen jedoch sind weiterhin manuell zu überprüfen. Unabhängig vom Fragetyp gilt für das Formulieren:

TIPP 1: Formulieren Sie eindeutige Fragen!

Überlegen Sie sich beim Formulieren der Frage, was Sie von den Lernenden genau erwarten. Welche Bereiche sollen in der Antwort in welchem Ausmaß abgedeckt werden? Achten Sie dabei darauf, dass die Fragen so formuliert sind, dass sie eindeutige Antworten verlangen. Formulieren Sie also keine zu allgemeine, sondern präzise Fragen, die zu präzisen Antworten führen.

TIPP 2: Formulieren Sie Fragen – und keine Aussagen!

Achten Sie darauf, dass Fragen als Fragen erkennbar sind. Wenn Sie Antworten auf und Interpretationen von Aussagesätzen erwarten, dann stellen Sie dies klar. In diesen Bereich fallen auch Suggestivfragen, die auf jeden Fall in Prüfungssituationen zu vermeiden sind.

TIPP 3: Vermeiden Sie kumulative Mehrfachfragen!

Stellen Sie mehrere kurze Teilfragen statt einer langen Frage, in die verschiedene Aspekte verpackt sind. Gerade wenn Sie online prüfen, erscheinen kurze und prägnant formulierte Fragen insofern sinnvoller, als auf diese spezifische Antworten gegeben werden können, die ja bei Online-Prüfungen vorab eingegeben werden müssen.

TIPP 4: Stellen Sie Fragen in Hinblick auf jeden Lerntyp!

Beachten Sie beim Formulieren von Fragen, dass Sie Fragen nicht nur aus den verschiedenen Fach-, sondern auch aus verschiedenen Sinnbereichen stellen. Denken Sie daran, beispielsweise verschiedene Lerntypverben einzubauen: Wo sehen Sie das Problem? Wie gehen Sie an das geschilderte Problem heran? Wie begreifen Sie die Situation? Durch solche Verben fühlen sich verschiedene Lerntypen angesprochen und können – gerade in Stresssituationen – auf ihren jeweils favorisierten Lernkanal zurückgreifen.

TIPP 5: Beantworten Sie die Fragen selbst!

Gerade wenn Sie einen Online-Test erstellt haben, ist es sinnvoll, diesen vorab einmal durchzuspielen, um zu sehen, ob eventuell eingebettete Videos funktionieren und Bilder richtig angezeigt werden, ob die Fragen in der richtigen Reihenfolge auftreten und ob Fehler – beispielsweise in der Kennzeichnung richtiger Fragen – erkennbar sind.

Gerade der Bereich des Online-Prüfens ist insofern eine gute Sache, als Fragen und Antwortmöglichkeiten eingegeben werden, die Studierendenantworten automatisch vom System überprüft werden und die Studierenden sofort ein Resultat bzw. Feedback erhalten können. Um hier gute Ergebnisse zu erreichen, ist es wichtig, Fragen und Antworten klar zu stellen, weil sonst Missverständnisse auftreten können, die nicht – wie in klassischen Prüfungssituationen – durch Handheben und eine persönliche Antwort der Lehrperson aus der Welt geschafft werden können. Eine übersichtliche Checkliste für das Stellen und Formulieren von Fragen findet sich in den Arbeitsblättern von Werner Stangl. Hält man sich an ein paar kleine Regeln, kann nichts mehr schiefgehen.

Beachten Sie dabei jedoch, dass es zum einen offene und geschlossene Antworten gibt, die nicht in gleichem Maße automatisiert überprüft werden können, zum anderen, dass es im Online-Testing mehr gibt, als nur Multiple-Choice-Fragen. Einen kleinen Einblick liefert die Beschreibung der Aktivität Test. Selbst Multiple-Choice-Tests können es in sich haben: Achten Sie darauf – Erfahrung und Bauchgefühl werden sicherlich weiterhelfen –, welche Antwortmöglichkeiten zur Auswahl gegeben werden! Sind die Fragen als Kurzantworten einzugeben, überlegen Sie sich, welche kreativen Schreibweisen den Studierenden einfallen könnten, und wie tolerant Sie in dieser Hinsicht sein wollen. Doch dazu mehr in Kapitel fünf.

Tipp
Die Konzeption von Onlineprüfungen ist sehr zeitintensiv und will gut vorbereitet sein. Das Zauberwort lautet hier sicherlich: Vorentlastung. Wenn Lernende das Prüfungssetting vorab testen können, durch Lernzielkontrollen beispielsweise, wird ihnen die Angst vor der eigentlichen Prüfung genommen. Sie können sich nicht nur an die Art der Fragestellung, sondern auch das technische Setting gewöhnen. Planen Sie deshalb vorab Vorlauftests! Und erkundigen Sie sich früh genug, wer an Ihrer Institution den technischen Support von Onlineprüfungen übernimmt und welche Vorbereitungen hier zu kehren sind.

1.3 Gestaltung des Kursraumes

Bereits an mehreren Stellen ist der „Wohlfühlfaktor“ eines Kurses angesprochen worden. Dieser betrifft nicht nur den Online-Kurs, sondern auch die Gestaltung von Arbeitsmaterialien. Auch in den traditionellen Unterrichtsräumen, bei Präsentationen via Poster oder Pinnwand, Flipchart oder Tafel ist die äußere Form der Arbeiten immer mit bewertet worden und hat eine nicht zu negierende Rolle für den Gesamteindruck und somit für die Beurteilung gespielt. Dasselbe Prinzip gilt für Unterrichtsmaterialien und Online-Kurse: Fühlt man sich wohl, stimmt der Gesamteindruck, dann ist die Motivation größer, sich mit einem Thema zu beschäftigen, was das Lernverhalten positiv beeinflusst. Wird man von Arbeitsmaterialien angesprochen, lernt man lieber. Kissen und Kerzen lassen sich im Online-Bereich sehr schwer aufstellen, doch können Lehr- und Lerninhalte sowie die virtuelle Lernumgebung multimedial und multisensorisch aufbereitet werden. Auch hier gilt meist: Weniger ist mehr! Interessante Tipps und Tricks zur Mediengestaltung liefert E-Teaching.org in einem speziell dafür vorgesehenen Abschnitt.

TIPP 1: Verwenden Sie Bilder!

Bilder können nicht nur den Kursraum oder das Arbeitsmaterial aufpeppen, sie können als selbstständige Impulse oder Lern- und Lehrinhalte verwendet werden. Setzen Sie Bilder als Highlights ein – wählen Sie sie in Übereinstimmung oder Kontrast zum Lehr- und Lerninhalt. Überlegen Sie dabei gut, welche Größe das Bild haben soll. Verkleinern Sie Ihre Bilder direkt im Textdokument oder auf der Lernplattform, dann bleibt die Dateigröße hoch.

Tipp
Nützen Sie deshalb zum Bearbeiten von Bildern ein Bildbearbeitungsprogramm, wie beispielsweise Gimp oder Paint.NET.

Achten Sie auch auf die Qualität des Bildes. Gerade wenn man Bilder vergrößert, verlieren sie oft an Qualität. Im schlimmsten Fall muss eben ein anderes Bild gefunden werden. Doch wo finden Sie verwendbare Bilder? Im Internet? Genau! Doch Achtung: Viele der dort vorhandenen Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Wenn Sie also freie und somit sorgenfrei verwendbare Bilder suchen, dann können Sie diese beispielsweise auf Wikimedia oder auf der Seite von Office oder des Tiroler Bildungsservers finden.

TIPP 2: Strukturieren und gliedern Sie!

Egal ob Kurs, Arbeitsblatt, Kursraum oder Arbeitsaufträge: Achten Sie darauf, dass Ihre Materialien eine klare und wiederkehrende Struktur – auch auf graphischer Ebene – aufweisen. Versuchen Sie hier, für Ihre Lernendengruppe einen gewissen Wiedererkennungseffekt zu erreichen, indem Arbeitsblätter immer in der gleichen Schriftart und mit denselben graphischen Elementen gestaltet sind. Das visuelle Moment auszunutzen, kann nicht nur Text- und Arbeitsblätter aufpeppen, es gibt die Möglichkeit einer schnellen visuellen Erfassung, die gerade für das Arbeiten am Bildschirm von Vorteil ist. Die Lernenden erkennen bereits beim ersten Draufsehen, welche Arbeiten und Anforderungen auf sie zukommen. Ganz wichtig ist dabei, dass man seiner Linie treu bleibt und die einzelnen Symbole immer in der gleichen Bedeutung einsetzt. Sonst kann es schnell zu Verwirrungen kommen.

Sehen Sie hier einen kleinen Überblick über Symbole, wie Textverarbeitungsprogramme sie zur Verfügung stellen:

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Darüber hinaus ist es ganz wichtig, Gliederungssymbole zu verwenden. Diese sollten nicht nur in digitalen Dokumenten und Lernplattformen ihren fixen Platz haben, auch im Bereich der traditionellen Medien geben Gliederungssymbole Struktur und ermöglichen einen leichteren Überblick. Man kann dabei auf die unter Format > Nummerierung und Aufzählungszeichen vorgegebenen zurückgreifen, aber auch neue hinzufügen.

Achten Sie in diesem Zusammenhang vor allem darauf, dass verschiedene Abschnitte eine klare Überschrift aufweisen, sodass ein leichteres Navigieren möglich ist und Ihr Kursraum oder Arbeitsblatt eine spezifische Struktur erhalten. Teilen Sie dafür Ihre Inhalte in kleine „Happen“ und versehen Sie diese mit einer, den Inhalt reflektierenden oder vielleicht provozierenden Abschnittsüberschrift. Zwischenüberschriften lockern – genauso wie Bilder – auf und können zusätzliche, im Text nur schwer vermittelbare Informationen liefern. Gleichzeitig können Sie verschiedene Funktionen (Zeige-, Situierungs- oder Konstruktionsfunktion) übernehmen.

TIPP 3: Verwenden Sie ein klares Farbschema!

Egal, ob Sie eine Präsentation erstellen, ein Handout gestalten oder die Lernplattform aufpeppen wollen: Verzichten Sie nicht auf Farben! Achten Sie dabei jedoch darauf, dass Farben sinnvoll eingesetzt sind und ihre Gestaltungs- und Akzentuierungsfunktion erfüllen können. Bedenken Sie dabei beispielsweise,

  • dass eine Kombination von Gelb und Schwarz eine Möglichkeit des Hervorhebens darstellt;
  • dass einige Menschen an der Rotgrünblindheit leiden, eine direkte Kombination dieser beiden Farben also zu vermeiden ist;
  • dass knallige Farben herausstechen und längeres Lesen erschweren;
  • dass nur wirklich wichtige Dinge hervorgehoben werden sollen;
  • dass es sinnvoll ist, sich auf eine Hervorhebungsmethode (farbliche Gestaltung, Kursiv- oder Fettsetzung der Schrift, Unterstreichungen…) zu beschränken;
  • dass im Webdesign helle Farben (Pastelltöne oder abgedunkelte Farben) den Hintergrund bilden sollten und die darauf platzierte Schrift dunkel sein sollte;
  • dass grelle Elemente und Animationen sparsam eingesetzt werden sollten, um die Aufmerksamkeit zu lenken;
  • dass GROSSBUCHSTABEN schwieriger zu verarbeiten sind und gerade im Bereich der E-Moderation eine spezifische Funktion ausüben.

Versetzen Sie sich dabei immer in die Rolle Ihres Zuhörers oder Ihrer Zuhörerin und bedenken Sie, dass die Lernendengruppe nicht immer hundertprozentig aufmerksam sein kann, dass es also an Ihnen liegt, die Aufmerksamkeit zu steuern. Wenn man weiß, wie Kursseiten wahrgenommen werden, ist es einfacher, sie zu gestalten.

Tipp
Wertvolle Tipps zu diesem Thema liefert Gergely Rakoczi auf seiner Webpage, auf der er 22 Gestaltungstipps zur Verfügung stellt.

Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! ☺