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Moodle: Am Anfang steht der leere Kurs

Einleitung

Einleitung

Bücher zum Bereich E-Learning im Allgemeinen sowie zu Moodle im Speziellen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Wieso sollte man sich mit einem weiteren Handbuch befassen? Ganz einfach: Weil es zum einen ein Buch aus der Praxis für die Praxis und zum anderen als E-Book mehr als ein traditionelles Buch zu leisten imstande ist!

Gerade in den letzten Jahren sind zahlreiche Bücher zum Einsatz von Moodle in Unterricht und Lehre erschienen, Forschungsberichte und Artikel, die sich mit dem Einsatz von Moodle im Bereich E-Learning, mit Methoden und Modellen beschäftigen. Gerade dieser E-Learning-Bereich entwickelt sich aber, nicht nur durch die zahlreichen und immer schneller auf den Markt kommenden Updates und neuen Programme, Werkzeuge und Versionen, ständig weiter; den Überblick zu bewahren, ist folglich nicht immer einfach. So gibt es auch von Moodle eine neue Version 2.2, vor deren Hintergrund dieses Praxisbuch zu sehen ist, eine Version, die den Nutzerinnen und Nutzern zahlreiche neue Möglichkeiten bietet und bisher unbekannte Wege eröffnet. Im Gegensatz zu unzähligen Werken, die zu den genannten Themenbereichen entstanden sind, erhebt das vorliegende Buch keinen wissenschaftlichen Anspruch, ist auch nicht vor dem wissenschaftlichen Hintergrund einer Qualifikationsschrift entstanden.

Tipp
An dieser Stelle sei exemplarisch auf die rezenten Werke von Ulrike Höbarth (2010), die einen konstruktivistischen Ansatz verfolgt, und Thomas Strasser (2011), der Theorie und Praxis miteinander verbindet, verwiesen.

Es beschäftigt sich nicht mit der Darlegung einzelner Lerntheorien und -ansätze, mit der Verbindung von Theorie und Praxis. Vielmehr entsteht dieses Werk aus der Unterrichtspraxis für die Unterrichtspraxis, als Antwort auf die Erfahrungen aus zahlreichen von der Verfasserin durchgeführten Schulungen und Workshops, in denen immer wieder der Wunsch geäußert wurde, einen Leitfaden zu bekommen, wie man eine mediengestützte Lehrveranstaltung plant, konzipiert, durchführt und schließlich evaluiert. Diesem Wunsch soll mit dem vorliegenden Handbuch nachgekommen werden.

Zielgruppe dieses Werkes sind Unterrichtende und Lehrende aus dem Sekundar- und Tertiärbereich, die sich für den Einsatz von E-Learning interessieren. Diese die strikte Trennung zwischen schulischer und universitärer Lehre aufhebende Orientierung kann als Reflex der Weiter- und Fortbildungserfahrungen der Verfasserin gesehen werden: Nicht gering ist die Anzahl jener Teilnehmer/innen, die in Personalunion an Schule und Universität unterrichten bzw. lehren. Methoden und didaktische Überlegungen sind somit sowohl für den einen als auch den anderen Bereich zu wählen und anzustellen – eine strikte Trennung der beiden Sphären ist nicht immer möglich. Das vorliegende Handbuch soll Lehrerinnen und Lehrern, Trainerinnen und Trainern, Unterrichtenden oder Lektorinnen und Lektoren als Handreichung dienen und dabei den Fokus auf die praktische Umsetzung legen.

Die Idee hinter diesem Praxisbuch ist, konzentriert in einem Buch nicht nur die Beschreibung einzelner Module aus technischer Sicht, sondern auch deren Einsatz aus mediendidaktischer Perspektive zu liefern, wobei lerntheoretische Prämissen im Hinterkopf behalten werden, ohne diese explizit auszuformulieren. Die Ansprüche der unterschiedlichen Lerntypen werden folglich genauso berücksichtigt wie die Forderung nach Methoden zur Binnendifferenzierung sowie nach Methoden- und Medienvielfalt. Auch verschiedene Sozialformen werden behandelt und reflektiert. Dabei soll gezeigt werden, wie (jahrelang) erprobte, erfolgreiche und bewährte Methoden aus dem traditionellen in den mediengestützten Unterricht transferiert werden können. Der Stil des Handbuchs ist informell gehalten: Die Leser/innen sollen wie an der Hand durch die (neue) Welt von Moodle und der Mediendidaktik geführt werden. Ziel ist es, den Lehrenden zu zeigen, dass die Welt beim Einsatz neuer Medien nicht neu erfunden werden muss. Man kann durchaus und ohne schlechtes Gewissen auf Altbewährtes zurückgreifen.

Dabei starten wir mit einem leeren Kurs und arbeiten uns bis zur Verwendung und zum Einsatz der unterschiedlichen Module und der an sie gekoppelten Methoden und Einsatzszenarien durch. Diese Methoden und Einsatzszenarien sind jeweils praxiserprobt und stammen zu einem Gutteil aus der Mediendidaktischen Modellsammlung der Karl-Franzens-Universität Graz.

Tipp
Sie finden die Mediendidaktische Modellsammlung unter: http://www-gewi.uni-graz.at/cocoon/mdm/

Die Konzeption des – ursprünglich als Printpublikation angedachten – Handbuchs als multimediales und interaktives E-Book bietet die Möglichkeit, auch Videoanleitungen als Step-by-Step-Anleitungen zum einfachen Nachklicken anzubieten. Eine schnelle Navigation durch das Buch soll Ihnen Zeitersparnis und Sicherheit bringen. Durch Verlinkungen lassen sich Sprünge zwischen den einzelnen Kapiteln einfach erreichen. Verlinkungen zum Glossar, das sich am Ende des Buchs befindet, helfen bei terminologischen Unsicherheiten. Dabei werden folgende Themen abgedeckt: Planung und Konzeption einer mediengestützten Lehrveranstaltung, Moodle mit seinen Vor- und Nachteilen, das Anlegen von Arbeitsmaterialien, Vorstellung und methodischer Einsatz der verschiedenen Blöcke und Aktivitäten.

Im Zuge dieser allgemeinen Einleitung folgen einige zentrale Begriffsdefinitionen, die während der Lektüre immer wieder unterkommen werden und deshalb vorab definiert und somit operationalisierbar gemacht werden müssen. Gerade im Bereich E-Learning gibt es zahlreiche begriffliche Unklarheiten, die zumindest aufgezeigt werden müssen. Eine Klärung der diskutierten Begrifflichkeiten kann jedoch nicht das Ziel eines Praxisbuchs sein. Dennoch sollen einzelne Kategorien und Termini, mit denen fortan operiert wird, erläutert und definiert werden. In Kapitel sechs findet sich zusätzlich ein Glossar, das einerseits diese Begriffsdefinitionen noch einmal kompakt aufnimmt, andererseits zusätzliche Definitionen liefert und zum Nachschlagen animiert.

Im ersten thematischen Kapitel beschäftigen wir uns mit der mediengestützten Lehre allgemein und umreißen jene Punkte, die es im Laufe der Planung und Konzeption mediengestützter Lehre bzw. mediengestützten Unterrichts im Sinne eines E-Learning-Settings zu beachten gilt. Tipps und Tricks aus der Praxis werden auch in diesem ersten Abschnitt nicht fehlen, stellt er doch die Basis eines gelungenen Settings dar. Gerade die Bereiche Lehr- und Lernziele, Arbeitsaufträge, Fragen bzw. Gestaltungsmöglichkeiten und -grenzen werden hier insofern thematisiert, als sie besonders „gefährlich“ im Sinne des Provozierens von Unklarheiten und Auslösens von Fragen auf Seiten der Lernenden sind. Kapitel zwei geht in weiterer Folge der Frage nach, wieso man sich ohne schlechtes Gewissen für Moodle als Lernplattform entscheiden kann, stellt also Moodle als Lernplattform vor und benennt Stärken, aber auch Schwächen des Systems. Dabei soll vor allem auf die didaktischen Potenziale dieser Lernplattform und in weiterer Konsequenz auf den für die Lehrenden und Lernenden gleichermaßen erstrebenswerten (didaktischen) Mehrwert eingegangen werden.

Mit Kapitel drei tauchen wir schließlich in die Arbeit mit Moodle ein. Hier werden die einzelnen Blöcke und ihre sinnvollen Einsatzmöglichkeiten in Lehre und Unterricht behandelt. Im Zuge dieser Beschreibung werden immer wieder Abstecher in den Bereich des Web 2.0 unternommen, dessen Anwendungen sich über Blöcke ohne größeren Aufwand integrieren lassen. Kapitel vier beschäftigt sich mit den statischen Arbeitsmaterialien, die auf Moodle bereitgestellt werden. Dabei wird nicht nur erklärt, wie sie angelegt werden, sondern auch, wie sie eingesetzt werden können. Welche Dokumente eignen sich wofür und in welchem Format? Wie kann man die verschiedenen Lerntypen ansprechen? Dabei soll auch auf den Bereich der rechtlichen Grundlagen kurz eingegangen werden: Worauf muss man achten? Was darf man (nicht)?

Der Hauptteil der Arbeit liegt sicherlich in Kapitel fünf, in dem die einzelnen interaktiven, kooperativen, kommunikativen und kollaborativen Möglichkeiten präsentiert und praktisch angewandt werden. Jede Aktivität wird dabei nach demselben Raster beschrieben, was das Zurechtfinden erleichtern soll. Dabei wird jede Aktivität auf ihren Einsatz in den vier Bereichen Kommunikation, Organisation, Kollaboration und Evaluation hin geprüft und einige Methoden für die Praxis werden beschrieben. In dieser Erarbeitung der Aktivitäten wird, wie bereits angesprochen, auf Methoden verwiesen, die aus dem traditionellen (Präsenz-)Unterricht bekannt sind, und es wird gezeigt, wie diese auf oder mit Hilfe der Lernplattform umgesetzt werden können. Im Zuge dieses Kapitels werden zusätzlich die Bereiche der E-Moderation und der Chatiquette bzw. Netiquette erläutert und auch hier wird wieder auf Erfahrungen aus der Praxis zurückgegriffen. Gerade die Kommunikation über Moodle kann Lehre und Unterricht erleichtern, wenn man sich einiger Tricks und Kniffe aus den genannten Bereichen bewusst ist. Als Abschluss findet sich noch das bereits angesprochene Glossar, das Hilfestellung in definitorischen Problemen geben kann.

Vieles von dem, was hier vorgestellt wird, ist wahrscheinlich schon bekannt, einiges wird sicherlich schon eingesetzt, wenn auch vielleicht nicht ganz bewusst. Denn neue Medien regen Überlegungen in zwei Richtungen an, nämlich im Sinne „einer Vergewisserung bekannter Konzepte oder [einer] Aneignung neuer und ergänzter Modelle“ (Sievers 2007: 1). Fest steht auf alle Fälle – so viel gleich vorweg –, dass das Rad beim Einsatz neuer Medien in der Lehr- und Lernsituation nicht neu erfunden werden muss. Man kann es aber praktikabler machen, so dass es wieder ganz rund läuft und den Bedürfnissen des neuen Lernhighways entspricht. Dieses E-Book soll den Leserinnen und Lesern als Ratgeber, Nachschlagehilfe, als kleines schlaues Büchlein dienen, wenn sie neue Ideen suchen oder bei alt-bekannten Anwendungen auf kleine Probleme stoßen!