Blog entry by Christoph Leonhard Rinderer

Anyone in the world

Es ist schon eine Weile her, als ich zum ersten Mal in meinem Leben als Zwölfjähriger den Blick auf das Mittelmeer genossen habe. Ich erinnere mich noch genau, als ich aus Neugier den Finger ins Meerwasser steckte und probierte. Mein Vater Helmut, meine Schwester Mirjam und ich haben einen mehrtägigen Busausflug an die italienische Rivierea gemacht. So kam ich nach San Remo, Monte Carlo und Nizza. In der Zwischenzeit sind schon einige Jahre ins Land gezogen und ich wure mit weiteren Orten am Mittelmeer vertraut, wie Cinque Terre, Portofino, Saint Tropez, Barcelona, Capri, Amalfi, Gibraltar, Sizilien, usw.

Jeden Sommer zieht es Millionen von Touristen an die Küsten Europas, die Sand, Mittelmeer und und Urlaub genießen. Doch es gibt auch eine andere traurige Wirklichkeit. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte.

Ein Mann schleppt sich völlig erschöpft über einen rettenden Strand. Er ist am Ende seiner Kräfte. Keine zwanzig Meter von ihm entfernt aalen sich Urlauber in der Sonne. Sie scheinen vom Schicksal nichts mitzubekommen, das sich gerade neben ihnen abspielt. Oder sind sie einfach nur abgestumpft. Der afrikanische Flüchtling ist nur einer von vielen, die jährlich die Heimat von Bürgerkrieg, Hunger und Arbeitslosigkeit verlassen. Oft ist ein neues Leben in Europa eine neue Perspektive. Dafür nehmen sie den Tod in Kauf. Auf keiner Fähre oder einem Schiff, sondern in schwimmenden Nussschalen treten sie ihre lebensgefährliche Reise an. Es fehlt an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Medikamenten. 

Auf maroden Booten versuchen Flüchtlinge jedes Jahr Europa zu erreichen. Unzählige sterben dabei. Ich frage mich, wie viele Tote es noch geben soll, dass endlich etwas gegen diese Unfassbarkeit getan wird?

Ich bin mir absolut sicher, dass der Strom an Flüchtlingen und Asylsuchenden durch die Unruheherde nach Europa stetig zunehmen wird. Europa muss daher gemeinsam Lösungen zu dieser Causa finden. Den Kopf in den Sandstrand am Mittelmeer stecken, wird uns auf alle Fälle nicht weiterhelfen. Ich appelliere an die gemeinsame Verantwortung. Auch Österreich, die Insel der Seligen, darf keinesfalls in die unsägliche "Das Boot ist voll"-Mentalität verfallen.

Christoph Rinderer, BEd

 

 

[ Modified: Sonntag, 28 Oktober 2018, 7:41 ]